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EU-Klimadienst: Heißester Sommer der Geschichte in Westeuropa

Keine Überraschung: Die Juni- und Juli-Temperaturen Westeuropas markieren einen neuen Rekord. Weil trockene Böden nicht mehr für Kühlung sorgen, erhitzt sich die Atmosphäre schneller. Eine unheilvolle Dynamik.

In Westeuropa waren der Juni und Juli so heiß wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Das teilte das EU-Klimabeobachtungsprogramm Copernicus am Montag in Bonn mit. Dass es im Juli die dritte und vierte Hitzewelle seit Mai gab, stelle eine außergewöhnliche Serie extremer Hitzeperioden dar. Während es in Osteuropa und Skandinavien nicht so warm war wie auf dem übrigen Kontinent, lag in Westeuropa die Durchschnittstemperatur im Juni und Juli bei 21,62 Grad und damit 2,79 Grad über dem Referenzwert.

Auch die Weltmeere waren mit Ausnahme der Polargebiete im Juli so aufgeheizt wie nie zuvor in dieser Jahreszeit. Ein Grund sei das Klimaphänomen El Niño im tropischen Pazifik, das sich in den kommenden Monaten voraussichtlich verstärken werde, hieß es. Gleichzeitig erlebten der Atlantik und das westliche Mittelmeer laut den Forschern schwere Hitzewellen. Diese beeinträchtigten Küstengemeinden und marine Ökosysteme.

Die durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur zwischen den 60. Breitengraden der Süd- und Nordhalbkugel betrug demnach im Juli 20,96 Grad und übertraf so den bisherigen Juli-Rekord von 20,89 Grad aus dem Jahr 2023. Die globale Durchschnittstemperatur zu Lande betrug 16,9 Grad und lag damit 1,47 Grad über dem geschätzten vorindustriellen Wert der Jahre 1850 bis 1900.

In Westeuropa dauerte eine seit Mai weithin herrschende Trockenheit fort und verschärfte sich noch: Aus Frankreich, Spanien, Teilen Deutschlands und dem Vereinigten Königreich wurden außergewöhnlich geringe Niederschläge gemeldet. Flüsse sanken teils deutlich unter die üblichen Pegel. Besonders die Seine, der Rhein und die Donau waren betroffen. Mehrere Länder spürten Auswirkungen auf die Wasserversorgung, Bewässerung und Energieerzeugung.

Die leitende Klimaforscherin Samantha Burgess beim Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage erklärte, anhaltende Hochdrucksysteme hätten in den vergangenen drei Monaten die Wärme über Westeuropa festgehalten und so die verbreitete Dürre verstärkt. "Wenn Böden austrocknen, verlieren sie ihre Fähigkeit zur natürlichen Kühlung, wodurch sich die Hitze leichter stauen kann. Das ist ein deutliches Beispiel dafür, wie der Klimawandel Hitzeextreme verschärft, wobei sich Hitze und Dürre zunehmend gegenseitig intensivieren", so Burgess.

Die Direktorin des Copernicus-Atmosphärenüberwachungsdienstes, Laurence Rouil, wies darauf hin, die außergewöhnlich starken Waldbrände im Süden, aber auch in nördlicheren Teilen Europas erzeugten mehr Rauch und schleusten diesen höher in die Atmosphäre, sodass er sich weiter ausbreiten könne. Darunter könne die Luftqualität noch Tausende Kilometer entfernt leiden.