Bundesweit neuer Religionsunterricht startet in Niedersachsen
In Niedersachsen beginnt nach den Sommerferien eine bundesweite Premiere: Der Religionsunterricht wird von katholischer und evangelischer Kirche gemeinsam verantwortet. Unterschiede sollen dennoch sichtbar bleiben.
Hannover (KNA) Mit Beginn des neuen Schuljahres startet in Niedersachsen am Donnerstag das neue Unterrichtsfach "Christliche Religion". Es ersetzt zunächst in den ersten und fünften Klassen den bisherigen evangelischen und katholischen Religionsunterricht und wird von den beiden großen Kirchen gemeinsam verantwortet. Es handelt sich um eine bundesweite Premiere.
Der neue Unterricht soll zugleich die Lebenswirklichkeit junger Menschen stärker als bisher in den Mittelpunkt rücken. Themen wie Freiheit, Verantwortung und Gerechtigkeit sollen aus christlicher Perspektive behandelt und zugleich mit anderen religiösen, philosophischen und weltanschaulichen Sichtweisen verknüpft werden. Grundlage ist ein gemeinsam entwickelter Lehrplan des Landes, der evangelischen Landeskirchen und der katholischen Bistümer.
Die Einführung sei unter anderem eine Reaktion auf gesellschaftliche Veränderungen, sagte der katholische Osnabrücker Bischof Dominicus Meier der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Kinder nach Konfessionen zu trennen, ist für viele Menschen nicht mehr plausibel." Zudem könne in manchen Regionen ein getrennter Religionsunterricht wegen fehlender Lehrkräfte künftig nicht mehr gewährleistet werden.
Nach Meiers Worten lernen junge Menschen im neuen Religionsunterricht, Gemeinsamkeiten zu erkennen und zugleich einen wertschätzenden Umgang mit bleibenden Unterschieden zu pflegen. "Das ist ein Beitrag zur ökumenischen Entwicklung und zu einer konstruktiven, wertschätzenden gesellschaftlichen Dialogkultur."
Der Religionsunterricht wird in Deutschland von Staat und Religionsgemeinschaften gemeinsam verantwortet. Neben dem Fach "Christliche Religion" gibt es in Niedersachsen weiterhin jüdischen, islamischen und alevitischen Religionsunterricht, sofern die organisatorischen Voraussetzungen erfüllt sind. Auch das Fach Werte und Normen bleibt bestehen.
