Weltkirchenrat besorgt wegen Prozess gegen armenischen Kirchenführer
Der Weltkirchenrat kritisiert den Prozess gegen Armeniens Kirchenoberhaupt Karekin II. und sechs Bischöfe. Ihnen wird vorgeworfen, eine Gerichtsentscheidung ignoriert zu haben. Der Prozess stockt bereits.
Genf/Eriwan (KNA) Der Weltkirchenrat (ÖRK) hat den Strafprozess gegen das Oberhaupt der armenisch-apostolischen Kirche, Katholikos Karekin II., und sechs Bischöfe kritisiert. "Wir äußern unsere Besorgnis über die unzulässige Einmischung in innerkirchliche Angelegenheiten", erklärten ÖRK-Vorsitzender Heinrich Bedford-Strohm und Generalsekretär Jerry Pillay. Sie stünden der armenischen Kirche und ihrem Volk mit Gebeten und Unterstützung zur Seite.
Seit Freitag stehen Karekin II. und die Bischöfe vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, gegen eine gerichtliche Anordnung zur Wiedereinsetzung eines von der Kirche abgesetzten Bischofs verstoßen zu haben. Es drohen Geldstrafen oder bis zu zwei Jahre Haft.
Karekin II. wies die Vorwürfe nach der ersten Verhandlung als "unbegründet und ungerecht" zurück. Staatliche Stellen wollten "die Autorität der Kirche untergraben, ihre Autonomie einschränken und die Kirche ihrem Willen unterwerfen", sagte er nach Kirchenangaben bei einer Abendmesse in der Kathedrale von Etschmiadsin. Zugleich rief er die Gläubigen zu Besonnenheit auf.
Der Prozess geriet bereits zum Auftakt ins Stocken: Der Vorsitzende Richter erklärte sich für befangen. Die Verhandlung wurde bis zur Berufung eines neuen Richters unterbrochen. Wann sie fortgesetzt wird, ist unklar.
Die Staatsanwaltschaft wirft Karekin II. und den Bischöfen vor, die Absetzung des Bischofs von Masjatsotn, Geworg Sarojan, nicht rückgängig gemacht zu haben, obwohl ein Gericht dies im Januar angeordnet hatte. Das oberste Leitungsgremium der Kirche hatte Sarojan abgesetzt, nachdem er den Rücktritt des Katholikos gefordert hatte. Sarojan zog dagegen erfolgreich vor Gericht.
Hinter dem Verfahren steht ein Machtkampf zwischen dem prowestlichen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan und dem russlandfreundlichen Kirchenoberhaupt. Beide forderten bereits den Rücktritt des jeweils anderen.
