Forscherin erklärt: Darum ist das Wissen über Afrika so lückenhaft
Mit einer offenbar KI-generierten, fehlerhaften Afrikakarte leistete sich das US-Außenministerium einen peinlichen Fehltritt. Eine Afrikanistin erklärt, warum das gerade mit Blick auf diesen Kontinent passieren konnte.
Bayreuth (KNA) Die fehlerhafte Afrikakarte, die die US-Regierung auf der Welt-Aids-Konferenz in Rio de Janeiro präsentiert hat, drückt nach Ansicht der Afrikanistin Clarissa Vierke ein generelles Problem mit der Wahrnehmung des Kontinents in der "westlichen Welt" aus. "Afrika wird oft - auch in anderen Zusammenhängen - als ein Land wahrgenommen oder eine nicht weiter zu differenzierende Masse von Menschen, die keine Sprachen, sondern nur Dialekte sprechen, und ständig nur in Katastrophen versinken", sagte die Forscherin der Universität Bayreuth am Freitag auf Anfrage.
Die Gründe dafür sind laut Vierke vielschichtig. So dauerten koloniale Stereotype, nach denen kaum zwischen afrikanischen Ländern, Kulturen oder Sprachen, Geschichte und Mentalitäten unterschieden werden müsse, auch in Deutschland an. Zudem ist Afrika nach Wahrnehmung der Forscherin hierzulande auch im Schulunterricht und in den Medien selten Thema.
Erschwerend komme eine Zunahme von Nationalismus und rassistischem Gedankengut in Europa hinzu, wonach "alle Menschen anderer Hautfarbe und Kultur einem Feindbild entsprechen", erklärte Vierke. In diesem Kontext entstünden Vorurteile und Hass, aber kein Klima des Interesses und der Idee von Austausch. Stereotype und einfache, rassistische Schablonen passten besser in die Kurzformate von Sozialen Medien als fundierte Aufklärung, kritisiert die Afrikanistin. "Unserer aller Aufmerksamkeitsspanne hat ebenso so weit abgenommen, dass nur wenige sich die Zeit nehmen, sich gut zu informieren. Wissen und Denken erfordern außerdem auch immer Interesse und eine emotionale Beteiligung, sonst kann es nicht verhaften und bleibt an der Oberfläche."
Bereits Anfang der Woche hatte die US-Delegation unter Leitung von Außenminister Marco Rubio die fehlerhafte Karte auf der Konferenz präsentiert. Darauf waren unter anderem Nigeria, Mosambik und die Elfenbeinküste falsch auf der Karte verortet. Wasserzeichen auf der Karte deuten laut Medienberichten darauf hin, dass sie von einer KI erstellt wurde. Inzwischen hat sich das Ministerium für den Fehler entschuldigt.
Dass die KI eine derart falsche Karte von Afrika erstellt hat, zeigt aus Sicht von Vierke auch, dass online zu wenig Informationen über den Kontinent verfügbar sind. "Afrika ist auch im Internet nicht gut repräsentiert." Für die Expertin ist das aber nicht der einzige Kritikpunkt an der Technik. Das weitere Füttern der KI mit Daten - auch über Afrika - um sie zu verbessern dürfe nicht dazu führen, dass die Menschen zunehmend das Selbstdenken einstellten. "Sie nimmt uns die Gabe, eine mentale Karte, "die Karte im Kopf", zu haben, da sie uns - ebenso wie so viele soziale Medien - die Bilder im Kopf durch die Bilder auf dem Bildschirm ersetzt."
