Kabarettist Beikircher ist tot - Musik, Rheinland, Glaube
Er war eine Ikone des Rheinlands: Nicht nur auf der Kabarettbühne erkundete Konrad Beikircher über Jahrzehnte die Seele der Region. Nun ist der "ganz normale Grenzgänger", wie er selbst sagte, gestorben.
Bonn (KNA) Der Kabarettist, Musiker und Buchautor Konrad Beikircher ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 80 Jahren, wie seine Agentur am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) bestätigte. Zuletzt war er noch mit seinem Abschiedsprogramm "Arrivederci" unterwegs gewesen, das zum Jahresende abgeschlossen sein sollte. Er lebte auf dem Katharinenhof in Bonn-Bad Godesberg, wo auch regelmäßig Ausstellungen und Auftritte stattfanden.
Geboren am 22. Dezember 1945 in Südtirol, wurde Beikircher ab 1986 öffentlich bekannt. Zuvor arbeitete er 15 Jahre lang als Gefängnispsychologe - er bezeichnete sich selbst später als "ehemaligen Psychologen". Für seine "Rheinische Trilogie", in der er die rheinische Sprache und Wesensart erkundet, entstanden zwischen 1991 und 2011 ganze elf Bühnenprogramme. Als Moderator und Autor mehrerer Konzert- und Opernführer machte er sich zudem einen durchaus "seriösen" Namen in den Musikwissenschaften.
Aktuelle Themen fanden immer wieder Eingang in Beikirchers Bühnenprogramm: zum Reformationsgedenken 2017 etwa unter dem Titel "500 Jahre falscher Glaube". Trotz dieses Seitenhiebs auf Protestanten: Religiöse Überzeugungen anderer seien ihm heilig, betonte der Kabarettist einmal im Deutschlandfunk. Er habe sich auch noch nie über Allah und Buddha lustig gemacht.
Im Corona-Jahr 2020 brachte Beikircher "Kirche, Pest und neue Seuchen" auf die Bühne des - leeren - Kölner Senftöpfchen-Theaters; zur selben Zeit befasste er sich zu dessen 250. Geburtstag mit dem Komponisten Ludwig van Beethoven. Sein Verhältnis zur katholischen Kirche bezeichnete er im KNA-Interview zu seinem 80. Geburtstag als "getrübt" - dennoch bleibe er "dem Katholischen verbunden", wie er hinzufügte: "Der Versuch, tolerant zu leben - Nächstenliebe ist so ein großes Wort -, ist mir schon wichtig."
