Umfrage: Mehrheit befürwortet höhere Alkoholsteuer
Höhere Steuern auf Schaumwein, Likör und Alkopops? Eine Mehrheit der Deutschen begrüßt entsprechende Pläne der Regierung. Doch nur eine Minderheit erwartet dadurch einen geringeren Alkoholkonsum.
Hannover (KNA) Eine Mehrheit der Bevölkerung hält die von der Bundesregierung geplante höhere Besteuerung bestimmter alkoholischer Getränke einer Umfrage zufolge für sinnvoll. Einen deutlichen Rückgang des Konsums erwarten allerdings nur wenige, wie aus der am Montag von der Kaufmännischen Krankenkasse KKH veröffentlichten repräsentativen Befragung hervorgeht.
Nach Angaben der Kasse befürworten 64 Prozent der Befragten den Vorstoß für höhere Steuern auf hochprozentige Spirituosen, Schaumwein, Likörweine und Alkopops. 33 Prozent halten eine solche Maßnahme nicht für sinnvoll.
Nur 29 Prozent rechnen der Umfrage zufolge damit, dass der Konsum der höher besteuerten Getränke zurückgeht. 75 Prozent erwarten stattdessen eine Verlagerung hin zu Bier und Wein. 70 Prozent gehen davon aus, dass Verbraucher Alkohol verstärkt dort kaufen könnten, wo er günstiger angeboten wird, etwa in Nachbarländern.
Auch die erhoffte Schutzwirkung für Jugendliche wird demnach skeptisch beurteilt. 38 Prozent glauben, dass höhere Preise den Anreiz für Jugendliche verringern würden, Alkopops und ähnliche Getränke zu konsumieren. Lediglich 19 Prozent erwarten einen Rückgang alkoholbedingter Unfälle oder Gewalttaten.
Als wirksamstes Mittel zur Verringerung des Alkoholkonsums nennen 74 Prozent der Befragten mehr Aufklärung und Prävention. 67 Prozent sprechen sich für ein vollständiges Alkoholverbot für Minderjährige aus. Einschränkungen beim Verkauf von Alkohol, etwa an Tankstellen und Kiosken oder an Sonn- und Feiertagen, halten 64 Prozent für geeignet.
Die KKH fordert, zusätzliche Einnahmen aus der Alkoholsteuer für Suchtprävention und Suchthilfe einzusetzen. Alkohol sei gemessen an den von ihm verursachten Schäden zu preiswert und zu leicht verfügbar, sagte der Leiter des KKH-Bereichs Prävention, Tobias Bansen.
Das Bundeskabinett hatte Anfang Juli einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der zum 1. Januar 2027 eine Steuererhöhung um 20 Prozent auf Spirituosen wie Rum, Wodka und Korn vorsieht. Auch Sekt, Champagner, Likörweine und Alkopops sollen stärker besteuert werden. Bier und Wein sind nicht betroffen. Erwartet werden Mehreinnahmen von 455 Millionen Euro jährlich.
Die Umfrage wurde vom Marktforschungsinstitut Forsa durchgeführt. Es befragte laut Angaben zwischen dem 14. und 16. Juli bundesweit 1.022 Menschen im Alter von 16 bis 70 Jahren telefonisch.
