Weniger Alleinerziehende in Deutschland als vor zehn Jahren
Meist Frauen, aber immer mehr Männer: Die Zahl alleinerziehender Väter nimmt zu. Die große Mehrheit sind aber nach wie vor Mütter. Zwischen den Geschlechtern gibt es einen Unterschied bei der Berufstätigkeit.
Wiesbaden (KNA) Im vergangenen Jahr haben weniger Eltern ihre Kinder alleine erzogen als noch zehn Jahre zuvor. Die Zahl der Alleinerziehenden in Deutschland sank leicht von 1,65 Millionen im Jahr 2015 auf zuletzt 1,62 Millionen, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Damit gebe es in rund jeder fünften Familie (19,4 Prozent) mit Kindern unter 18 Jahren nur ein Elternteil. Die Zahlen beruhen laut Mitteilung auf einer Erstauswertung des Mikrozensus.
Die meisten Alleinerziehenden sind laut Statistik nach wie vor weiblich, ihr Anteil nahm aber ab. Waren 2015 noch 88,9 Prozent der Alleinerziehenden Frauen, waren es im vergangenen Jahr noch 84,4 Prozent (1,37 Millionen). Umgekehrt stieg der Anteil der alleinerziehenden Väter von 11,1 Prozent auf 15,6 Prozent (253.000).
Mit Blick auf geplante Kürzungen beim Kindergeld weist das Bundesamt darauf hin, dass 15,8 Prozent der minderjährigen Kinder von Alleinerziehenden 16- und 17-Jährige waren. Damit wären 21,2 Prozent der Familien Alleinerziehender potenziell davon betroffen, wenn der Unterhaltsvorschuss nur noch für Kinder unter 16 Jahren gewährt werden würde.
Während alleinerziehende Mütter häufiger in Vollzeit arbeiteten als Mütter mit einem Partner, ist dies den Zahlen zufolge bei Vätern umgekehrt: 38,6 Prozent der erwerbstätigen alleinerziehenden Mütter mit Kindern unter 18 Jahren arbeiteten 2025 in Vollzeit; bei Müttern in Ehe oder Lebensgemeinschaft lag die Quote bei 30,7 Prozent. Bei Männern lagen die Zahlen bei 83,8 Prozent (alleinerziehend) und 91,5 Prozent (in Partnerschaft).
Nach Ergebnissen der Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen hatten im vergangenen Jahr 28,9 Prozent der Personen in Alleinerziehenden-Haushalten ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze. Die Armutsgefährdungsquote war demnach doppelt so hoch wie die von Menschen in Paarhaushalten mit Kindern (12,0 Prozent). Im Durchschnitt aller Haushalte lag die Quote bei 16,1 Prozent.
In dem Zusammenhang fordert das Hilfswerk Save the Children besondere Unterstützung für Kinder Alleinerziehender. "Eine Familienform darf kein Armutsrisiko sein", erklärte Eric Großhaus, Experte für Kinderarmut und soziale Ungleichheit des Hilfswerks. "Anstatt diese Familien besonders zu unterstützen, fährt die Bundesregierung Leistungen zurück." Die Regierung lasse sehenden Auges zu, dass Familien, die bisher gerade noch über die Runden kämen, in die Grundsicherung abrutschen könnten.
Familienfreundliche Politik schaffe Entlastung statt Belastung, so Großhaus. Neben ausreichenden Betreuungsangeboten brauche es dafür eine angemessene finanzielle Unterstützung, weniger Bürokratie bei Familienleistungen sowie einen besseren Zugang zu Freizeit-, Sport- und Gesundheitsangeboten.
