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Sozialethiker: Fußball verliert seine Glaubwürdigkeit

Geld und Macht verdrängen dem Theologen Thomas Gremsl zufolge Regeln und Ethik im Fußball. Er fordert Verbände und Fans auf, Missstände nicht länger hinzunehmen.

Der Grazer Theologe Thomas Gremsl sieht die Integrität der FIFA und des Fußballs insgesamt infrage gestellt. Neben dem Spiel selbst gehe es zunehmend um Geld, Einfluss und Macht, schreibt der Sozialethiker in einem Meinungsbeitrag von Sonntag in der Zeitschrift "Communio". Zweck und Mittel hätten sich "geradezu verkehrt": Der Fußball drohe selbst zum Mittel ökonomischer Interessen, politischer Selbstinszenierung und persönlicher Machtsicherung zu werden.

Funktionäre wie der FIFA-Boss Gianni Infantino sowie Politiker wie US-Präsident Donald Trump haben laut Gremsl erkannt, wie sehr sie von diesem System profitieren können. Damit schädigen sie den Fußball nach Meinung des Theologen nachhaltig.

Hier sieht er National- und Kontinentalverbände in der Pflicht, sich nicht als "unbeteiligte Beobachter" zu geben, sondern einer Verantwortung als Teil des Weltfußballverbands FIFA gerecht zu werden und Missstände öffentlich zu benennen. Sie müssten zudem auf transparente Verfahren, unabhängige Kontrollinstanzen, sozialverträgliche Ticketmodelle und die Einhaltung menschenrechtlicher Verpflichtungen dringen.

Gremsl sieht auch den Fußballfan gefordert: "Unsere Leidenschaft und unser Konsum machen den Fußball erst zum 'bedeutendsten Sport auf Erden'." Fußballkonsum sei nicht völlig privat oder moralisch neutral: "Wer schaut, reist, kauft und schweigt, trägt dieses System zumindest ein Stück weit mit."

Gremsl mahnt, der Fußball solle sich nach seinen ethischen Grundlagen fortentwickeln und nicht an kommerziellen oder machtpolitischen Interessen Einzelner orientieren. Dafür müssten alle Beteiligten im eigenen Handlungsbereich Verantwortung wahrnehmen.

Aktuell gebe es ein "beunruhigendes Muster", so der Theologe. Regeln, Statuten, Werte und Entscheidungen schienen immer mehr von Geld und Macht abhängig zu sein. Als Beispiele nennt er die Einrichtung eines "FIFA-Friedenspreises" für Trump und die Einflussnahme des US-Präsidenten auf den Umgang mit der Roten Karte für US-Spieler Folarin Balogun.

Gremsl schreibt: "Politische Nähe und Einflussnahme erscheinen offenbar dort unproblematisch, wo sie den Interessen der FIFA oder ihres Präsidenten dienen." Symbole wie ein Trauerflor oder eine Regenbogenarmbinde würden dagegen rasch als unzulässige politische Botschaften zurückgewiesen. Neutralität werde "sehr selektiv ausgelegt" und letztlich ad absurdum geführt.