Caritas: Verlässliche Pflege wichtiger als Erhalt von Privatvermögen
Das deutsche Gesundheitssystem gerät zusehends unter Druck. Wesentlicher Grund sind die steigenden Pflegekosten. Ein Caritas-Experte meint: Privatvermögen werden bisher zu sehr geschützt.
Frankfurt (KNA) Angesichts explodierender Pflegekosten plädiert die Caritas im katholischen Bistum Münster für einen stärkeren Zugriff auf Privatvermögen. Der Sozialstaat beruhe nicht allein auf Solidarität, schrieb Diözesan-Caritasdirektor Dominique Hopfenzitz in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Ebenso wichtig sei das Prinzip der Subsidiarität: "Es verlangt, dass Menschen zunächst ihre eigenen Möglichkeiten ausschöpfen, bevor die Gemeinschaft einspringt."
Den Wunsch, den eigenen Kindern ein Haus oder Ersparnisse zu hinterlassen, halte er für legitim, so Hopfenzitz. Problematisch sei indes, wenn Vermögen lange vor einer möglichen Pflegebedürftigkeit gezielt übertragen werde, um es später dem Zugriff für die Finanzierung der eigenen Pflege zu entziehen. "So werden finanzielle Lasten auf die Solidargemeinschaft verlagert, obwohl private Mittel ursprünglich vorhanden waren", kritisierte der Caritas-Experte.
Die langfristige Sicherung einer verlässlichen Pflegeversorgung müsse Vorrang vor dem Schutz privater Vermögensinteressen haben, forderte Hopfenzitz. In diesem Zusammenhang schlug er unter anderem vor, Hilfe zur Pflege gegebenenfalls als Darlehen zu gewähren: "So lässt sich die notwendige Versorgung sicherstellen, während der Staat den entsprechenden Vermögensanteil zu einem späteren Zeitpunkt zurückerhält."
Der Caritasdirektor fügte hinzu: "Ebenso sollte die Rückforderungsfrist bei Schenkungen - also der Zeitraum, in dem verschenktes Vermögen zur Finanzierung der Pflege wieder herangezogen werden kann - von zehn auf 25 Jahre verlängert werden."
