Franziska van Almsick: Wer lesen lernt, muss auch schwimmen lernen
99 Badetote im Juni - eine Ursache können auch schlechte Schwimmfähigkeiten sein. Ex-Schwimmstar Franziska van Almsick fordert daher mehr Schwimmunterricht. Die Motivation der Kinder sei nicht das Problem.
Berlin (KNA) Schwimmerin Franziska van Almsick (48) fordert die Politik zu mehr Einsatz für funktionierende Schwimmbäder in Deutschland auf. "Nicht jede Grundschule kann den vorgeschriebenen Schwimmunterricht anbieten - weil sie einfach keine Wasserfläche bekommt. Aber das sollte gewährleistet sein", sagte van Almsick der "Welt am Sonntag".
"Wenn jedes Kind lesen lernen muss, dann muss auch jedes Kind schwimmen lernen", betont die Olympiasiegerin. Wer nicht schwimmen könne, laufe immer wieder Gefahr zu ertrinken. "Schwimmen ist kein Hobby. Schwimmen ist eine Überlebensfähigkeit", so van Almsick, deren Stiftung Grundschülern Schwimmunterricht ermöglicht. Laut Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ertranken landesweit im Juni mindestens 99 Menschen, so viele wie seit 23 Jahren nicht mehr.
Sie wisse, dass es viele große Themen gebe. "Aber Schwimmen ist keine Nebensache, es rettet Leben. Deshalb dürfen wir es nicht immer hinten anstellen.", so die mehrfache Schwimm-Weltmeisterin. Die Politik solle Voraussetzungen schaffen, damit jedes Kind schwimmen lernen könne. Das größte Problem sei oft gar nicht die Motivation der Kinder, sondern dass vielerorts schlicht die Wasserflächen fehlten. "Wir brauchen ausreichend Wasserflächen und funktionierende Schwimmbäder."
Schwimmen sei der Gesundheitssport Nummer eins. "Wenn man vieles nicht mehr kann, dann kann man meistens noch schwimmen. Demnach sollten wir auch die Bäder erhalten für unsere Rentner, für unsere Kranken, die für die Reha ins Wasser müssen", fordert van Almsick. Auch für die geistige Fitness sei Bewegung enorm wichtig. "Wir sollten langsam mal wach werden; denn wir haben die Mentalität, dass immer erst etwas geschieht, dass wir immer erst dann wachgerüttelt werden, wenn es fast schon zu spät ist", so die Ex-Profi-Schwimmerin.
