UN warnen vor Katastrophe in sudanesischer Stadt El Obeid
Die Großstadt El Obeid im südlichen Sudan steht im Visier von Milizen. Nahrungsmittel werden knapp. Die Anklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs befürchtet Massaker.
Genf (KNA) In der belagerten sudanesischen Großstadt El Obeid bahnt sich nach UN-Angaben eine humanitäre Katastrophe an. Die Stadt mit üblicherweise rund 500.000 Einwohnern sei überfüllt; allein in einem offiziellen Camp der Vereinten Nationen befänden sich über 120.000 Vertriebene, sagte der Landesleiter des Welternährungsprogramms (WFP), Abdallah Aldawart, nach einem Ortsbesuch am Freitag per Video in Genf. Die Nahrungsmittel reichten nicht. Partnerorganisationen gehe der Treibstoff für Hilfstransporte beinahe aus.
El Obeid entwickle sich zum "Epizentrum der Vertreibungs- und Hungerkrise im Sudan", sagte Aldawart. Schätzungen zufolge lebten in der Region eine Million Vertriebene. Die Menschen kämen aus mehreren Bundesstaaten, selbst aus dem über 500 Kilometer entfernten Darfur.
El Obeid, Hauptstadt des Bundesstaates Nord-Kordofan und rund 350 Kilometer südwestlich der Landeshauptstadt Khartum gelegen, steht unter Kontrolle der sudanesischen Regierungstruppen. Sie wird aber von Milizen der rivalisierenden Rapid Support Forces eingekreist.
Die stellvertretende Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, Nazhat Shameem Khan, hatte am Mittwoch vor bevorstehenden Massakern wie in El Fasher gewarnt. Sie sei sich mit dem Büro des UN-Kommissars für Menschenrechte, Volker Türk, einig, "dass in El Obeid möglicherweise schwerwiegendste Völkerrechtsverbrechen begangen werden", sagte Shameem in einem Briefing des UN-Sicherheitsrats.
"Wir können nicht sagen, wir hätten nichts gewusst. Wir können nicht sagen, es sei nicht zu erwarten gewesen", sagte Shameem. Es liege beim Sicherheitsrat und allen Staaten, weitere Gräueltaten zu verhindern.
