Komitee berät über Neuaufnahmen in die Unesco-Welterbeliste
Von Frankreich bis Thailand, von Deutschland bis in die Mongolei. Weltweit hoffen mehr als 30 Länder auf den Titel Welterbe für besondere Bauwerke oder Ökosysteme. Auf der Antragsliste steht auch Zehlendorf.
Berlin/Busan (KNA) Mehr als 30 Kultur- und Naturdenkmäler weltweit sind für die Aufnahme in die Welterbeliste der Unesco nominiert. Darüber entscheidet das Welterbekomitee, das ab dem 19. Juli in Busan in Südkorea tagt. Deutschland hat die Waldsiedlung Zehlendorf, die auch Papageiensiedlung genannt wird, nominiert. Die 48. Sitzung dauert bis zum 29. Juli. Über die Nominierungen wird voraussichtlich ab Mitte der kommenden Woche beraten und abgestimmt.
Bei der Waldsiedlung in Berlin, der einzigen deutschen Nominierung, handelt es sich allerdings um eine Erweiterung der seit 2008 bestehenden Welterbestätte "Siedlungen der Berliner Moderne". Damals ging das Viertel leer aus. Nach Sanierungen, Bürgerinitiativen und vielen Gesprächen sollten nun die Chancen aber gut stehen. Deutschland hat insgesamt 55 Welterbestätten.
Die Mehrheit der 33 Nominierungen haben Länder in Asien eingereicht. Dazu gehören in Thailand der Tempel Wat Phra Mahathat, in Indien die buddhistische Pilgerstätte Sarnath, die in der Nähe von Varanasi liegt, und die Grabstätten der Xiongnu, die in der Mongolei liegen.
Welterbe-Spitzenreiter mit 61 Stätten ist Italien - und könnte es auch bleiben, sollten die Condominio-Theater - sie entstanden zwischen Mitte des 17. und 18. Jahrhunderts oft in Kleinstädten und waren gesellschaftliche Treffpunkte - den Titel erhalten.
Gleich zwei Nominierungen kommen aus Frankreich. Das sind die D-Day-Landungsstrände in der Normandie, an denen am 6. Juni 1944 über 150.000 alliierte Soldaten anlandeten. Auch über die Aufnahme der imposanten Festungsanlage Carcassonne aus dem 13. und 14. Jahrhundert wird abgestimmt.
Dabei setzt sich ein Trend fort: Die Mehrheit der 1.248 Welterbestätten in insgesamt 170 Ländern sind Kulturdenkmäler - insgesamt 972. Lediglich 235 sind Naturdenkmäler wie etwa Flusslandschaften oder auch das Wattenmeer.
Während es bis zum Titel Welterbe mitunter Jahrzehnte dauert, könnten das Savannenökosystem Boma-Badingilo Migratory Landscape im Südsudan, die Mount Amel Castles im Libanon und das historische palästinensische Dorf Sebastia im Eilverfahren aufgenommen werden. Das ist möglich, wenn ein Ort von außergewöhnlichem universellem Wert durch Naturereignisse, Kriege oder Konflikte schwerwiegenden Gefahren ausgesetzt ist.
Schutz bietet die Aufnahme aber nicht. 53 aufgenommene Natur- und Kulturdenkmäler gelten als bedroht.
