• Deutschland DEU
  • Europa
  • Medien
  • Gesellschaft
  • EU
  • Parlament
Meldung

EU-Parlamentsvize: Smartphone erst, wenn Kinder allein unterwegs sind

Social Media muss wieder langweiliger werden - dafür spricht sich die Europapolitikerin Katarina Barley aus. Mit Blick auf Smartphones für Kinder warnt sie Eltern vor einer falschen Sicherheit.

Ein Smartphone erst von dem Alter an, ab dem Eltern ein Kind alleine durch die Stadt laufen lassen - das fordert die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Katarina Barley. "In der analogen Welt sagen wir unseren Kindern immer: 'Geh nie mit einem Fremden mit'", so die SPD-Politikerin. "Mit dem Smartphone geben wir ihnen dann etwas in die Hand, mit dem jeder Fremde zu ihnen virtuell ins Kinderzimmer kommen kann." Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Brüssel nannte Barley das Argument absurd, das Gerät diene der Sicherheit des Kindes.

Zum Anrufen oder Nachrichtenschreiben brauche es kein Smartphone. Mit dem ersten eigenen internetfähigen Handy verlieren Eltern laut Barley an Einfluss auf die Mediennutzung ihrer Kinder. Danach werde es immer schwieriger zu überblicken, mit wem die Kinder Kontakt haben, welche Onlinespiele sie spielen und welche Bilder sie sehen, so Barley.

Ein wissenschaftliches Gremium hatte im Auftrag der EU-Kommission Anfang der Woche Empfehlungen zum Kinderschutz im Netz vorgelegt. Darunter: keine Bildschirmzeit für Kinder bis zwei Jahre, ab drei eine je nach Alter steigende Mediennutzung unter Aufsicht Erwachsener.

Barley widersprach: Sie sehe keinen Mehrwert von Social Media im jungen Kindesalter. "Sehr wohl müssen junge Menschen lernen, Desinformation zu erkennen, dass Pornografie nichts mit echtem Sex zu tun hat und so weiter. Dafür braucht man aber ein gewisses Alter, und das beginnt sicher nicht mit drei", sagte die ehemalige Bundesministerin.

Statt einer festen Altersgrenze für alle Sozialen Medien möchte Barley das Nutzungsalter von der jeweiligen App abhängig machen. Wie der Expertenbericht fordert sie eine Beweislastumkehr bei den Herstellern: "Wie bei anderen Produkten sollten sie erstmal nachweisen, dass ihr Produkt sicher ist, bevor sie es anbieten dürfen." Konkret schwebt ihr dazu nach eigener Aussage etwas wie die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) vor. "Eine Stelle, die Anwendungen prüft und eine Altersempfehlung abgibt", so die Juristin.

Das EU-Parlament will auch Erwachsene vor bestimmten Funktionen der Plattformen schützen: etwa suchtfördernde Designs der Plattformen, so Barley. "Provokativ gesagt: Social Media muss wieder langweiliger werden. Dann wird auch unsere Nutzung gesünder."