Bundesamt: Viel mehr Anträge auf Kriegsdienstverweigerung
Die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung steigt weiter steil an. Im ersten Halbjahr 2026 gab es bereits mehr Anträge als im gesamten Jahr der Aussetzung der Wehrpflicht 2011.
Berlin (KNA) Die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung ist im ersten Halbjahr 2026 erneut sehr stark gestiegen. Sie liege jetzt bereits höher als im Jahr der Aussetzung der Wehrpflicht 2011, berichtete das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf eine Sprecherin des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.
Demnach sind dort bis 30. Juni 5.862 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung eingegangen. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 gab es 3.867 Anträge. 2011 seien es 4.348 gewesen.
Als Hintergrund werden die angespannte Sicherheitslage und das neue Wehrdienstgesetz gesehen, das zum 1. Januar in Kraft trat. Seitdem werden alle 18-jährigen Männer verpflichtend gemustert. So sollen Freiwillige für den Ausbau der Truppe rekrutiert werden. Sie soll von zuletzt 186.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten bis 2035 auf 260.000 wachsen. Gelingt der Ausbau auf Basis der Freiwilligkeit nicht, behalten sich insbesondere die Unionsparteien die Einführung einer Bedarfswehrpflicht vor.
Die Wehrpflicht war 2011 ausgesetzt worden, ist aber weiter im Grundgesetz verankert. Unabhängig von der Aussetzung der Wehrpflicht bleibt laut dem Bundesamt das Recht bestehen, den Kriegsdienst mit der Waffe aus Gewissensgründen gemäß dem Grundgesetz zu verweigern. Über den Antrag könne entschieden werden, wenn folgende Dokumente vorliegen: ein kurzes Anschreiben mit Unterschrift, ein vollständiger tabellarischer Lebenslauf sowie eine ausführlich und persönlich verfasste Begründung.
