Gaming-Experte: Kinder sollten vor allem das Abschalten lernen
"Super Mario" am Gameboy: In den 90ern hatten Games einen Abschluss - und waren teuer. Heute sind sie allgegenwärtig und bieten schier endlose Möglichkeiten. Ein Psychiater erklärt, wie Familien damit umgehen können.
Weinheim (KNA) Begrenzte Bildschirmzeit ist nur ein Teil der Lösung: Laut dem Kinder- und Jugendpsychiater Jakob Florack müssen Kinder und Jugendliche die Kompetenz des Abschaltens erwerben. Spätestens ab dem zwölften Lebensjahr gelte es zu lernen, sich selbst Grenzen zu setzen und einzuhalten, sagte Florack bei einer Veranstaltung der Zeitschrift "Psychologie Heute". "Je früher, desto stabiler und nachhaltiger" könnten junge Menschen diese Fähigkeit aufbauen - ähnlich wie Sprache oder Emotionsregulierung.
Diese Herausforderung betrachtet der Experte als ungleich größer als die, eine feste Zeit zu vereinbaren, in der Spiele und Surfen erlaubt sind. Ab dem Vorschulalter bis etwa zum achten Lebensjahr hält er eine halbe bis ganze Stunde Bildschirmzeit täglich für vertretbar, zwischen acht und zwölf Jahren bis zu zwei Stunden. Solche individuellen Regelungen sollten kein Machtkampf sein, sondern in einer ruhigen Minute getroffen werden, "wenn man in gutem Kontakt miteinander steht".
Ähnlich wie das Fernsehen werden nach Worten Floracks auch Spiele stark zur Ablenkung genutzt - allerdings selten passiv, als reine Berieselung. Games erfüllten viele psychologische Grundbedürfnisse: "Man fühlt sich toll, weil man ein Level erstmals geschafft hat, oder anerkannt, wenn man mit anderen zusammenspielt. Auch bewegt man sich in einer kontrollierten, bekannten Umgebung, deren Regeln man beherrscht." Als gemeinsames Hobby verbinde dies junge Menschen, eine schöne Eigenschaft des Gamings.
Der Psychiater rät Eltern, sich mit den Spielen zu befassen, die das eigene Kind spielt - und berechenbar zu bleiben. Zum Beispiel: "Nicht dreimal in der Woche neue Regeln besprechen, sondern vereinbaren, dass das Thema alle zwei Wochen einmal auf den Tisch kommt." Gaming-Zeit als Belohnung etwa für gute Noten sei dagegen nicht sinnvoll, weil auf diese Weise eher ein weiterer Anziehungsfaktor für junge Menschen hinzukomme.
