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Philosoph Gunter Gebauer: Trump ist ein Schummler

Nach seinem Telefonat mit Fifa-Boss Gianni Infantino steht Donald Trump in der Kritik. Nach Ansicht vieler Beobachter ist der US-Präsident bei dieser Fußball-WM einen Schritt zu weit gegangen.

Mit seiner Intervention bei der Fifa zugunsten des Fußballspielers Folarin Balogun hat US-Präsident Donald Trump nach Ansicht von Philosoph und Sportsoziologen Gunter Gebauer Grenzen überschritten. "Das ist ein Eingriff einer politischen Macht in die Autonomie des Sports, von einer Schwere, die wir bisher selten gesehen haben", sagte Gebauer in einem am Mittwoch in der "Süddeutschen Zeitung" veröffentlichten Interview.

"Für diese Einschätzung ist es im Grunde unerheblich, ob Trump wirklich durch seinen Anruf den Vorgang bewirkt hat, oder ob er sich nur damit brüstet", so der Philosoph. Der US-Stürmer Balogun war im Sechzehntelfinale der Fußball-WM gegen Bosnien-Herzegowina wegen eines Fouls mit einer Roten Karte vom Platz gestellt worden.

Trump hatte im Nachgang in einem Telefonat mit Fifa-Präsident Gianni Infantino eine Überprüfung gefordert. Die Fifa setzte daraufhin die automatische Sperre von einem Spiel zur Bewährung aus. Im Achtelfinale der USA gegen Belgien konnte Balogun deswegen wieder spielen. Das Match gewannen die Belgier mit 4:1.

"Die Einmischung kommt von einem Mann, von dem berichtet wird, dass er beim Golfspielen den Ball hinter dem Rücken seiner Mitspieler einfach verlegt, so dass er eine günstigere Ausgangsposition hat", sagte Gebauer. "Dieser Präsident ist ein Schummler."

Besonders fatal nannte es der Philosoph, "dass die höchste politische Autorität des Veranstalterlandes, also der Präsident selbst, sich eingeschaltet hat, um zugunsten seiner Mannschaft einen Vorteil herauszuholen". Das sei unerhört. "Nehmen Sie zum Beispiel die Olympischen Spiele 1936 in Deutschland. Da saß Adolf Hitler auf der Tribüne und hat nicht ein einziges Mal eingegriffen. Obwohl er später alle möglichen Verträge gebrochen hat, muss man sagen: Selbst der Gastgeber Hitler hat sich an die Regeln des Sports gehalten."

Trump wolle mit seinem Verhalten zeigen, dass er alles bestimmen könne, vermutete Gebauer. "Er kann es bestimmen, wenn es um die Nichtanerkennung einer regulären Wahl geht, wie bei der vorletzten Wahl; er kann es beim Golfspiel machen, und er kann es beim Fußball machen." Der Philosoph weiter: "Wenn die Staatsspitze sich amoralisch verhält und sich auch noch damit brüstet, dass sie da mit durchkommt: Das ist das Schlimmste."