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Zukunftsforscher: Stadtbäume ein effektives Mittel zum Hitzeschutz

Grün gegen Gluthitze: Bäume wirken wie natürliche Klimaanlagen und verbessern auch die Lebensqualität in Städten. Trotz dieser Erkenntnis hakt es oft an der Umsetzung. Ein Zukunftsforscher kennt die Gründe.

Um Städte besser gegen Extremhitze zu schützen, sind laut einem Zukunftsforscher nicht immer große Maßnahmen nötig. Baumpflanzungen seien "eine der effektivsten und schnellsten Möglichkeiten, eine Stadt kühl zu bekommen", erklärte Stephan Rammler am Montag in einer Online-Veranstaltung. Urbanes Grün wirke "wie eine natürliche Klimaanlage und erhöht die Lebensqualität", sagte der Berliner Sozialwissenschaftler.

Rammler hat im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung die Hauptstadtmetropole Berlin auf ihre Hitzeresilienz untersucht. Städte wie Kopenhagen, Wien und Paris seien das Thema bereits vor zehn Jahren angegangen, erklärte Rammler. Dennoch gebe es in Berlin mit dem vorhandenen Stadtgrün und guter Akzeptanz in der Bevölkerung eine gute Ausgangslage.

2025 hatten die Berliner in einem Volksentscheid dafür gestimmt, dass Berlin in den nächsten Jahren grüner, kühler und klimaangepasster wird. Bis 2040 sollen dort laut Rammler 300.000 neue Straßenbäume gepflanzt werden sowie 1.000 Kühlinseln und 100 Parks entstehen. Solche Grünflächen dienten zudem als CO2-Speicher.

Dennoch scheitert die Umsetzung aus Beobachtung des Wissenschaftlers dort wie andernorts "an den kleinen Realitäten im Alltag vor Ort". Dazu zählten beispielsweise der Denkmalschutz, Personalmangel und Verwaltungsauflagen. Zudem müssten die neu gepflanzten Bäume auch regelmäßig gewässert werden. Hier sei auch die Zivilgesellschaft gefragt, "es geht nur, wenn die Nachbarschaften dafür Sorge tragen".

Rammler räumte zugleich ein, dass durch Neupflanzungen Parkraum entfalle. Dies führe zu wenig Akzeptanz bei betroffenen Bürgern. Deshalb sei es wichtig, Menschen in die Überlegungen "behutsam und diplomatisch" einzubeziehen. "Man sollte nicht erst Fakten, sondern laborhafte Ausprobiersituationen schaffen", sagte der Zukunftsforscher. Eine Möglichkeit seien Bäume in mobilen Pflanzkübeln, die an möglichen neuen Standorten aufgestellt werden, um "den Unterschied zur reinen Asphaltfläche zu spüren".

Die Extremhitze im Juni hat aus seiner Beobachtung "ein Fenster geöffnet" für die Klimaanpassung in Städten. Zugleich kritisierte Rammler, dass die Politik noch immer auf fossile Energie und "alte Konzepte" setze. Er sei deshalb skeptisch, "ob Klimaanpassung in Deutschland schnell gelingt". Dennoch gebe es in Europa viele gute Ansatzpunkte, die nun verbunden werden müssten, um sich gut aufzustellen. "Die Herausforderungen sind groß, aber es gibt keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen."

Rammler ist Autor der im Dietz-Verlag veröffentlichten Studie "Cool Down. Berlin als Reallabor für sozial gerechten Hitzeschutz".