• Deutschland DEU
  • Wissenschaft
  • Krankheiten
  • Gesundheit
  • Jahreszeiten
Meldung

Umweltforscherin dringt auf neue Hitze-Gewohnheiten

Endlich Sommer, endlich ins Freie: Diese Einstellung ist hierzulande verbreitet. Bei Extremtemperaturen sei dies jedoch fatal, warnen Fachleute. Sie fordern Schutzmaßnahmen - und Änderungen im persönlichen Verhalten.

Länder wie Deutschland müssen ihre Gewohnheiten bei Hitzewellen überdenken: Das fordert die Umweltexpertin Ana Maria Vicedo Cabrera. Hierzulande sei es "immer noch verbreitet, dass man bei Sonne und Wärme mehr Zeit draußen verbringt", sagte sie im Interview der "Welt". "Aber inzwischen herrschen draußen Temperaturen, die nicht mehr gesund sind." Daher gelte es, flexibler zu werden, was etwa Arbeitsorte, Arbeitszeiten und auch das soziale Leben angeht.

Eine Idee seien "Klima-Schutzräume", also kühlere Orte für Kinder, Familien und ältere Menschen. Allerdings, so Vicedo Cabrera: "Man kann älteren Menschen nicht zumuten, zu Fuß oder in einem überhitzten Bus ins Schwimmbad zu fahren."

Ihre Forschung in der Schweiz habe gezeigt, dass an extrem heißen Tagen mehr Menschen mit psychischen Erkrankungen in Krankenhäuser eingewiesen würden; auch das Risiko für Selbsttötungen steige. Zudem seien sowohl zunehmendes aggressives Verhalten als auch mehr Substanz- und Alkoholkonsum während Hitzeperioden belegt. In Spanien habe eine Studie einen Zusammenhang mit häuslicher Gewalt gezeigt. "Das alles hat eines gemeinsam: Es zeigt ein impulsiveres Verhalten."

Zuvor hatte die Universitätsmedizin Magdeburg eine Studie veröffentlicht, der zufolge die Belastung für Betroffene von Angststörungen oder Depressionen schon ab 25 Grad zunimmt. Psychologische Faktoren wie Risikowahrnehmung und Selbstwirksamkeit steuerten das individuelle Schutzverhalten, erklärte Studienleiterin Hannah Wallis.

Aktuell arbeitet das Team an einer Folgestudie, die zeigen soll, wie gezielte Risikokommunikation zu Hitzewellen wirkt. "Verhaltensbasierte Prävention, die auf den richtigen Moment und die richtige Ansprache setzt, könnte einen wesentlichen Beitrag leisten, diese Zahlen zu senken", heißt es. Angesichts steigender Zahlen von Hitzetoten seien diese Fragen hochrelevant.