EU-Bericht: Hitzewellen zunehmend Faktor für Luftqualität
Die gute Nachricht zuerst: Emissionen aus Industrie, Verkehr und Haushalten gehen zurück. Aber Extremwetterlagen sorgen dafür, dass Ozon- und Feinstaubwerte steigen. EU-Wissenschaftler legen einen gemischten Bericht vor.
Bonn (KNA) Ungeachtet eines stetigen Emissionsrückgangs in Europa sorgt der Klimawandel mit Hitzewellen und Waldbränden für teils gesundheitsgefährdende Schadstoffwerte in der Luft. Solche Umweltbelastungen würden zu einem immer wichtigeren Faktor für die Luftqualität, heißt es in einem Bericht, den der EU-Dienst Copernicus zur Überwachung der Atmosphäre (CAMS) am Montag in Bonn vorlegte.
Dank anhaltender Bemühungen zur Verringerung der Emissionen aus Verkehr, Industrie, Wohnheizungen und anderen Schlüsselsektoren mache Europa stetige Fortschritte bei der Verbesserung der Luftqualität, erklärte die zuständige Copernicus-Direktorin Laurence Rouil. Dennoch führe das Zusammenspiel von Emissionen und meteorologischen Bedingungen immer wieder zu weiträumigen Situationen, "bei denen die für den Gesundheits- und Umweltschutz festgelegten Grenzwerte überschritten werden".
Dem Bericht zufolge sank der Ausstoß von Schwefel- und Stickoxiden europaweit seit 2015 um jährlich 3 bis 5 Prozent, vor allem durch Reduzierungen in der Industrie und im Straßenverkehr. Zugleich beeinflussten Temperaturextreme die saisonale Luftqualität. So begünstigten im vergangenen Sommer hohe Temperaturen, intensive Sonneneinstrahlung und stagnierende Wetterbedingungen die Ozonbildung. Waldbrände in Südeuropa brachten große Mengen an Feinstaub in die Luft. Den gleichen Effekt gab es vor allem in Osteuropa im Winter, als infolge eines außergewöhnlich kalten Winters die Emissionen aus Heizungsanlagen stiegen.
Der Klimawissenschaftler Paul Hamer, Hauptautor des Berichts, sagte, die Waldbrände im August 2025 hätten vor Augen geführt, wie eng diese Ereignisse mit der Luftqualität verbunden seien. Die Brandschwaden hätten nicht nur die Feinstaubkonzentrationen steigen lassen, sondern durch die Freisetzung chemischer Ozonvorläufer auch zu höheren bodennahen Ozonwerten in Nordportugal und Spanien beigetragen. Zudem habe Saharastaub zahlreiche Überschreitungen der Luftqualitätsgrenzwerte in Süd-, West- und Mitteleuropa bewirkt.
Auch in Deutschland wurden dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr oftmals überhöhte Ozon-Konzentrationen gemessen. Das Gas kann nicht nur die Lunge reizen und Asthma verschlimmern, sondern auch die Vegetation beeinträchtigen und damit Ernteeinbußen verursachen.
