Autorin: "Ich glaube an die Vernunft des heutigen Deutschen"
Sie hat schon den deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen: Die Autorin Holly Jane-Rahlens lebt seit 50 Jahren in Berlin, stammt aber aus New York. Zum US-Nationalfeiertag verrät sie, wie sie auf die beiden Länder blickt.
Berlin (KNA) Holly Jane-Rahlens, deutsch-amerikanische Autorin, wünscht sich von ihren US-Landsleuten mehr Weltoffenheit. "Die Amerikaner müssen aus ihrem Amerika rauskommen und aus dieser Dauerschleife: 'This is the greatest country in the world'", sagte sie der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
"Ich frage mich: Wie können sie das sagen? Sie haben einfach die Welt nicht gesehen. Eher wenige Amerikaner besitzen überhaupt einen gültigen Reisepass. Sie brauchen keinen, weil sie einfach niemals das Land verlassen." Ihre Landsleute seien einfach naiv. "Ich war mit 21 Jahren, als ich herkam, nicht viel anders."
Rahlens wurde in New York geboren. Seit mehr als 50 Jahren lebt sie in Berlin. 2003 wurde sie für ihr Buch "Prinz William, Maximilian Minsky und ich" mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. In ihrem neuen Roman "Frostblüten", der im Oktober erscheint, erzählt sie von der Freundschaft eines polnisch-jüdischen Mädchen mit einem deutschen Mädchen im Berlin der Nachkriegszeit. Im Mittelpunkt steht ein Displaced Person Lager (DP-Camp) im amerikanischen Sektor von Berlin.
Mit Blick auf US-Präsident Donald Trump sagte die Autorin, in Amerika habe es sich seit dessen Amtszeit bei vielen eingebürgert, einfach nicht mehr über Politik zu sprechen. "Das wird ausgeklammert, um Konflikte zu vermeiden. Ich finde das sehr seltsam."
Dass die Deutschen zur Zeit sehr kritisch auf die USA schauten, nähmen die Amerikaner nur sehr unterschwellig wahr. "Vielleicht realisieren sie die Abneigung des Auslands aber langsam ein wenig, weil die Hotels für die Fußball-WM in den USA nicht alle sofort ausgebucht waren", sagte Rahlens.
