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Psychiater: Das hilft gegen Schweigen in der Partnerschaft

"Schweigen ist der Beziehungskiller Nummer eins" - der Psychiater Reinhard Haller analysiert Gewalttaten, auch in Partnerschaften. Warum er das Schweigen für so gefährlich hält und wie man den Schweiger zum Reden bringt.

Schweigen kann guttun - in Beziehungen jedoch auch zu großen Konflikten führen, weiß der Psychiater Reinhard Haller. Die Verweigerung einer Antwort und eine damit einhergehende emotionale Abschottung seien die häufigsten Kränkungsformen überhaupt in Partnerschaften, sagte Haller dem "Spiegel": "Schweigen ist der Beziehungskiller Nummer eins."

Es gehe dabei zumeist nicht um fehlende Worte, sondern um mangelnde emotionale Begleitung. "Dabei braucht der Mensch emotionale Nahrung: Zuwendung, Empathie, Sympathie. Wenn er die nicht bekommt, entstehen Panik, Minderwertigkeitsgefühle - aber auch Aggression."

Gerade von Letzterem könne aus seiner Erfahrung als forensischer Gerichtsgutachter auch eine Gefahr für Leib und Leben ausgehen. So spiele Schweigen bei Beziehungstaten oft eine Rolle, etwa wenn ein Partner stets angeschwiegen werde, sich nicht mehr anders zu helfen wisse und zu Gewalt greife. "Das Schweigen hat dann wie ein Gift gewirkt: unsichtbar, schleichend, mit Folgen bis hin zum Suizid der Angeschwiegenen oder sogar Mord."

Um es nicht so weit kommen zu lassen, rät Haller den Angeschwiegenen, sich zunächst von Schuldgefühlen zu befreien. "Angeschwiegene haben paradoxerweise immer das Gefühl, selbst schuld zu sein. Sie fragen nach, bitten, betteln, geraten an eine kalte Mauer und werden nur noch frustrierter."

Helfen könne es, den Schweiger "nicht als unnahbare, bösartige Gestalt zu sehen, sondern eher als hilflos schreiendes Kind". Wende man sich dieser Person zu, vielleicht sogar mitfühlend, könne man sie oft aus der Reserve locken. Auch ein gezielter Witz über das Schweigen könne mitunter helfen.

Eine "moderne Form des toxischen Schweigens" ist laut Haller das sogenannte Ghosting, das oft in Zusammenhang mit digitaler Kommunikation stattfindet. Dabei bricht eine Seite ohne Vorwarnung oder Begründung jegliche Kontakt ab und reagiert nicht mehr auf Nachfragen.

Für den Psychiater steckt dahinter zumeist eine Form von Feigheit. "Ghoster vermeiden Konflikte; sie trauen sich nicht, unangenehme Wahrheiten auszusprechen." Dadurch entzögen sie sich ihrer Verantwortung. Betroffenen rät der Experte, nicht mehr nachzuhaken. Sich einzugestehen, dass man ignoriert werde, könne zwar schwer sein: "Doch eigentlich sollte man froh sein, dass man diesem feigen Menschen nicht länger unterlegen ist."