Klinik-Report: 50 Prozent der Krankenhäuser schreiben Verluste
Die Krankenhäuser in Deutschland stehen unter Druck. Zugleich sind sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. 2024 waren erstmals über eine Million Vollzeitkräfte dort beschäftigt.
Berlin (KNA) Die wirtschaftliche Lage der Kliniken in Deutschland ist sehr angespannt: Die Hälfte der Krankenhäuser verzeichnete im Jahr 2024 einen Jahresverlust. Die Insolvenzwahrscheinlichkeit stieg auf hohe 2,2 Prozent. 22 Prozent der Kliniken befanden sich im roten Bereich mit erhöhter Insolvenzgefahr, 30 Prozent im gelben und nur 48 Prozent im grünen Bereich. Das geht aus dem am Donnerstag in Berlin veröffentlichten "Krankenhaus Rating Report" hervor.
Die 22. Ausgabe des Rating Reports wurde vom RWI - Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung und des Institute for Healthcare Business in Kooperation mit der Bank im Bistum Essen, der Ecclesia-Gruppe und der Solidaris Revisions-GmbH erstellt.
Für die Jahre 2025 und 2026 sei mit einer Erholung zu rechnen, sagte RWI-Gesundheitsexperte Boris Augurzky. Die Insolvenzwahrscheinlichkeit werde vermutlich auf 1,7 Prozent sinken. Nur noch 31 Prozent beziehungsweise 22 Prozent der Krankenhäuser erwirtschafteten nach den vorliegenden Daten einen Jahresfehlbetrag. Dennoch reicht bei der Hälfte der Kliniken die Liquidität für weniger als anderthalb Wochen, erforderlich wären mindestens vier Wochen.
2027 stehen die Krankenhäuser dann laut Augurzky wegen der geplanten Erlöskürzungen im Rahmen der Krankenversicherungsreform vor einer enormen Herausforderung. Bis 2030 dürften rund 70 Prozent Jahresverluste verzeichnen, es sei denn, es gelingt ihnen, ihre Betriebskosten zu senken, betont der Bericht, der beim Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit vorgestellt wurde.
Laut Report zeigt sich das deutsche Gesundheitswesen trotz der gesamtwirtschaftlichen Flaute als stabil. 2024 hat es ein Umsatzvolumen von 538 Milliarden Euro erreicht. Das entspricht einem Anteil von 12,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Für 2025 wird sogar ein Anstieg auf rund 580 Milliarden Euro oder 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwartet. Erstmals waren zudem 2024 über eine Million Vollzeitkräfte in den Krankenhäusern tätig.
