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Forscher: Schlaf schützt das Gehirn besser als Supplements

Kinder hängen zu viel vor Bildschirmen, ältere Menschen schätzen Demenz-Warnzeichen oft falsch ein: Ein Neurologe erklärt, wie sich das menschliche Gehirn schützen lässt. Dafür kann man mehr tun als oft gedacht.

Schlaf wird nach Worten eines Neurologen "zunehmend als zentraler Baustein für die Hirngesundheit anerkannt". Chronischer Mangel und unregelmäßiger Schlaf erhöhten nachweislich das Risiko für Demenz, Schlaganfälle und psychische Erkrankungen, sagte Claudio Bassetti der "Welt". Für Erwachsene seien sieben bis neun Stunden pro Nacht empfehlenswert, zudem keine Verschiebungen um mehr als eine Stunde täglich.

Das Pflegen sozialer Kontakte sowie geistige und körperliche Aktivität wirkten zusätzlich vorbeugend, ergänzte der Forscher. "Hinzu kommt alles, was gut für Herz und Kreislauf ist, besonders Rauchverzicht sowie Prävention und Behandlung von hohen Blutdruck-, Blutfett- und Blutzuckerwerten." Im Alter könnten auch Hörhilfen und die Behandlung von grauem Star positiv auf die Hirngesundheit wirken.

Aus sogenannten Brain Foods oder Ergänzungsmitteln sei dagegen inzwischen "ein sehr lukratives Geschäft geworden", kritisierte Bassetti. Vieles davon sei wissenschaftlich nicht belegt. "Natürlich gibt es Studien zu Vitaminen oder Omega-3-Fettsäuren, aber oft sind diese Effekte vernachlässigbar klein im Vergleich zu Verhaltensmaßnahmen". Dagegen könnten Sudoku und Kreuzworträtsel durchaus Bausteine sein, um das Gehirn wie einen Muskel zu trainieren.

Im Kindesalter sei zu viel Bildschirmzeit schädlich für die Hirnentwicklung und die Psyche, warnte der Experte. Allerdings seien die Zusammenhänge komplex: "Wer sehr viel im Internet ist, isoliert sich vielleicht sozial, bewegt sich weniger, schläft schlechter und isst ungesünder." Auch könne die Digitalisierung positive Effekte haben: "Den richtigen, gesunden Umgang damit zu finden, ist schwer. Momentan reagieren viele Schulen vor allem mit Verboten. Ob das der richtige Weg ist, muss sich noch zeigen."

Im Alter müsse bei gelegentlicher Vergesslichkeit niemand alarmiert sein, sagte Bassetti weiter. "Kritisch wird es, wenn jemand zunehmend Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis hat oder sich immer wieder zeitlich und örtlich nicht mehr richtig orientieren kann. Das Gleiche gilt, wenn Umfeld oder Familie merken, dass gewohnte Alltagsaufgaben nicht mehr bewältigt werden." In solchen Fällen rate er zu medizinischer Abklärung: "Das passiert gesund alternden Menschen nicht."