Kurdische Gemeinde: Deniz Undav Vorbild für junge Menschen
Er sicherte Deutschland den Sieg nach Rückstand: Fußballnationalspieler Deniz Undav war am Samstagabend der gefeierte Fußballheld. Die kurdische Gemeinde sieht darin auch eine gelungene Integrationsgeschichte.
Gießen (KNA) Nationalspieler Deniz Undav ist in den Augen der Kurdischen Gemeinde Deutschland ein wichtiges Vorbild für junge Menschen. "Seine Geschichte vermittelt die wichtige Botschaft, dass Herkunft oder soziale Umstände kein Hindernis für Erfolg sein müssen", erklärte deren stellvertretender Bundesvorsitzender Mehmet Tanriverdi am Montag in Gießen. Der Sportler mit kurdischen Wurzeln habe sich mit Fleiß, Disziplin, Ehrgeiz und harter Arbeit an die Spitze des deutschen Fußballs gearbeitet.
Beim zweiten Gruppenspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft der Männer bei der Weltmeisterschaft in Nordamerika am Samstag erzielte der eingewechselte Undav in der zweiten Halbzeit beide Tore, die zum deutschen 2:1-Sieg über die Elfenbeinküste führten.
Der 29-jährige Undav ist Sohn einer kurdischen Familie jesidischen Glaubens, die als Flüchtlinge nach Deutschland kam, und in Niedersachsen geboren. Seine Familiengeschichte ähnele der vieler kurdischer Familien, so Tanriverdi. Für viele habe Undavs sportlicher Erfolg daher eine besondere Bedeutung. Denn er stehe für eine gelungene Integrationsgeschichte und für die Chancen, die Deutschland Menschen biete, die Schutz und eine Perspektive gefunden haben.
Tanriverdi hob hervor, dass sich Undav sowohl zu Deutschland als auch zu seinen kurdischen Wurzeln bekenne. "Er zeigt damit, dass die Verbundenheit zur eigenen Herkunft und die Identifikation mit Deutschland kein Widerspruch sind." Und er trage dazu bei, ein Gemeinschaftsgefühl zu erleben und zu erkennen, "dass wir trotz unterschiedlicher Lebensgeschichten zusammen Deutschland sind".
Der Generalsekretär der Gemeinde, Cahit Basar, warnte zugleich vor doppelten Standards bei der Bewertung sportlicher Leistungen von Sportlern mit Migrationsgeschichte. Solange Erfolge erzielt würden, feiere man Herkunftsgeschichten häufig als Symbol gelungener Integration. Bei Misserfolgen bestehe jedoch die Gefahr, dass Herkunft und familiäre Wurzeln stärker in den Vordergrund rücken als bei anderen Spielern.
"Nationalspieler sollten nach ihren sportlichen Leistungen beurteilt werden - unabhängig davon, ob ihre familiären Wurzeln in Deutschland oder anderswo liegen", erklärte Basar. Undavs Erfolg könne nicht nur ein sportliches Signal sein, sondern auch eine Erinnerung, dass Deutschland längst ein Einwanderungsland sei, dessen Stärke gerade in seiner Vielfalt liege.
