EU warnt vor Anwerbung von Kindern für Straftaten
Wer einen Sprengsatz unter ein Auto legt, erhält eine Playstation; hundert Euro, um jemanden zu verprügeln - damit lockt das organisierte Verbrechen zunehmend Kinder und Jugendliche. Das EU-Parlament ist alarmiert.
Straßburg (KNA) Das Europäische Parlament fordert schärfere Maßnahmen gegen die gezielte Anwerbung von Kindern und Jugendlichen durch kriminelle Banden. In der am Donnerstag in Straßburg verabschiedeten Resolution warnen die Abgeordneten vor einer wachsenden Bedrohung - für Minderjährige ebenso wie für die Sicherheit in Europa. Organisierte Kriminalität nutze Kinder und Jugendliche zunehmend für Gewalttaten, Drogenhandel oder andere Straftaten, hieß es.
Die Abgeordneten forderten die EU-Kommission auf, sich verstärkt um das Vorbeugen und Bekämpfen der Rekrutierung durch kriminelle und terroristische Gruppen zu kümmern. Etwa müsse die Kommission nachhalten, ob die digitalen Plattformen angemessen gegen verbotene Anwerbung und Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen vorgehen.
Strafverfolgungsbehörden sollten sich nicht nur auf die minderjährigen Ausführenden konzentrieren, sondern verstärkt gegen die Hintermänner ermitteln.
Gefordert wird in der Resolution auch eine stärkere Zusammenarbeit von Schulen, Sozialdiensten, Justiz und Sicherheitsbehörden - auch grenzüberschreitend. Besonderes Augenmerk solle auf Kinder gelegt werden, die für Anwerbungen besonders gefährdet sind, etwa unbegleitete junge Geflüchtete oder Kinder aus von Armut, Ausgrenzung oder Gewalt betroffenen Familien.
Auch in Deutschland beobachtet die Polizei "Gewalt auf Bestellung" ("Violence as a Service"). Organisierte kriminelle Netzwerke nutzten Minderjährige gezielt aus, weil diese oft mit geringeren Konsequenzen rechnen müssten, so ein Sprecher des Landeskriminalamts NRW auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Die Anwerbung erfolge meist über Soziale Medien. Jugendliche würden dort mit Geld, teuren Gegenständen oder Anerkennung gelockt. Häufig wüssten sie nicht, für wen sie handeln oder welchen Hintergrund die Tat hat, so die Polizei. Die Anweisungen erhielten sie meist ohne persönlichen Kontakt. Nach der Tat müssten sie oft Videos als Beweis liefern. Nicht selten bleibe die Bezahlung dann aber auch aus, stattdessen drohen Einschüchterungen oder Ausgrenzung.
Warnzeichen sind nach Ansicht der Polizei unter anderem die Nutzung verschlüsselter Messenger-Dienste, plötzliche neue ältere Freude sowie Geld, Technik oder Kleidung unklarer Herkunft.
