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Antike Fluchtafel entziffert: Magischer Schadenzauber

Ein "Bindezauber" gegen Feinde - das klingt nach Harry Potter. Doch das gab es auch in der Antike. Heidelberger Wissenschaftler haben nun eine solche Fluchtafel aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus entziffert.

Sie diente der Anrufung von Gottheiten und Dämonen, um einem Gegner Schaden zuzufügen: Die Inschrift einer antiken Fluchtafel ist jetzt von Forschern der Universität Heidelberg entziffert worden. Das archäologische Fundstück und angeblich magische Artefakt aus der früheren römischen Provinz Niedergermanien wurde bei Ausgrabungen in der niederländischen Gemeinde Heerlen entdeckt, wie die Uni Heidelberg am späten Mittwochnachmittag mitteilte.

Die aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus stammende Tafel aus Blei habe eine Besonderheit: Sie trage keinen lateinischen, sondern einen altgriechischen Text, wie Rodney Ast, Akademischer Direktor am Institut für Papyrologie, erläuterte. Die Inschrift enthalte einen "Bindezauber gegen Feinde".

Antike Fluchtafeln ("defixiones" auf Lateinisch oder "katadesmoi" auf Griechisch) bestanden meist aus Blei, das sich gut bearbeiten ließ.

Diese kleinen Tafeln seien mit Zaubersprüchen in Form von "Bindezaubern" versehen und anschließend vergraben worden. Der Zweck: Gegner bei Gerichtsprozessen, sportliche Kontrahenten oder Rivalen in der Liebe mithilfe des darauf eingeritzten Schadenzaubers zu beeinflussen oder zu "binden".

Die Bleitafel aus Heerlen, der früheren römischen Militärsiedlung Coriovallum, wurde von einem niederländischen Team von Archäologen in einer Grube unter dem Rathausplatz entdeckt. Das Fundstück ist nur 9,3 mal 4,8 Zentimeter groß.

Die Heerlener Fluchtafel enthalte neben einer Gruppe von drei magischen Symbolen ("Characteres") die Namen von zwei Männern und zwei Frauen, die als Mitsklaven bezeichnet würden. "Die Tafel diente entweder als Fluch gegen diese vier Sklaven oder als Fluch in ihrem Namen gegen eine ungenannte Person", so der Papyrologe.

Untersucht wurde die Tafel am Institut für Papyrologie mithilfe des Reflectance Transformation Imaging (RTI). Bei diesem computergestützten Verfahren der Fotografie werden mit variabler Beleuchtung verschiedene Aufnahmen der Inschrift gemacht. Am Computer können sie anschließend zu einem einzigen Bild mit veränderbarer Lichtquelle zusammengefügt werden, sodass selbst kleinste Oberflächenmerkmale hervortreten. Die Fluchtafel soll künftig im Heerlener Museum ausgestellt werden.