Napoleon-Effekt: Kleine Schiedsrichter bestrafen größere Spieler
Erfolg im Fußball hängt nicht allein von Taktik und Technik ab. Auch psychologische Faktoren können Entscheidungen und Leistungen auf dem Spielfeld beeinflussen. Zum Beispiel die Größe des Schiedsrichters.
Hagen (KNA) Ob ein Spieler bei der Fußball-Weltmeisterschaft eine Gelbe Karte erhält, könnte davon abhängen, ob er größer als der Schiedsrichter ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie der Fernuniversität in Hagen.
Der Wirtschaftswissenschaftler Hendrik Sonnabend hat einen "Napoleon-Komplex" auch im Fußball entdeckt. Dieser beschreibt das Phänomen, dass kleinere Männer besonders dominant auftreten, um ihre geringere Körpergröße zu kompensieren - wie es auch dem französischen Kaiser Napoleon Bonaparte nachgesagt wird.
Zusammen mit Mario Lackner von der Universität Linz hat Sonnabend das Größenverhältnis zwischen Schiedsrichtern und Spielern im Profifußball untersucht. Das zentrale Ergebnis: Schiedsrichter bestrafen Spieler, die größer sind als sie selbst, häufiger und härter. "Es werden öfter Fouls gepfiffen und häufiger Gelbe Karten vergeben - offenbar als unbewusster Ausgleich fehlender körperlicher Dominanz", fasst Sonnabend zusammen.
Die zunächst in der Männer-Bundesliga nachgewiesenen Ergebnisse wurden anschließend gemeinsam mit dem Hagener Psychologen Tobias Wingen auf die Frauen-Bundesliga übertragen. Dabei zeigte sich derselbe Effekt: "Schiedsrichterinnen sanktionieren ebenfalls häufiger mit Gelben Karten, wenn sie kleiner als die Spielerin sind", sagt Sonnabend, der am Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre arbeitet und insbesondere im Themenfeld Sportökonomie forscht. "Dass sich der Zusammenhang bei Männern als auch in ähnlicher Größenordnung bei Frauen zeigt, hat uns überrascht."
Für internationale Turniere wie die Fußball-Weltmeisterschaft erwartet Sonnabend einen schwächeren Napoleon-Effekt, da besonders fähige und erfahrene Schiedsrichter eingesetzt würden. Außerdem gebe es noch die Video-Assistenten als Kontrollinstanz. Zudem weist der Wissenschaftler darauf hin, dass Bundesliga-Schiedsrichter ohnehin im Durchschnitt größer seien als der Durchschnittsmann in Deutschland und die meisten Bundesliga-Spieler: "Das deutet auf eine Selektion nach Körpergröße hin."
