Theologe: Gebete beim Sport in den USA durchaus üblich
Sieger und Besiegte beten gemeinsam: Das Bild betender Fußballspieler aus Deutschland und Curaçao ruft Emotionen hervor. Ein Theologe erklärt, warum das in den USA gang und gäbe ist - nur nicht für alle Religionen.
Bonn (KNA) Dass Sport und Glaube in den USA zusammenkommen, ist nach Worten des Theologen Andreas G. Weiß keine Seltenheit. Gebete vor, während oder nach dem Spiel seien "keine großen Aufreger", sagte der US-Experte aus Österreich auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Sie werden als Teil des ersten Verfassungszusatzes, also der freien Religionsausübung, ebenso akzeptiert wie etwa Straßenprediger oder religiöse Billboards neben Highways."
In Deutschland hat das Thema nun wieder größere mediale Aufmerksamkeit erfahren. Auslöser war ein gemeinsames Gebet der deutschen Nationalspieler Felix Nmecha und Jonathan Tah mit Spielern von Curaçao nach dem Sieg der deutschen Elf am Sonntagabend. "Wir sind im Spiel Gegner. Nach dem Spiel sind wir alle Christen und wir sind Brüder und dann haben wir einfach ein kleines Gebet zusammen gemacht", sagte Nmecha anschließend in der ARD zu der Szene.
In den USA seien solche Glaubensbekundungen im Sport allgemein üblich, meint Weiß, und verweist auf "Prayer Circles", bei denen sich Sportler, oftmals von mehreren Teams, zu einem knienden oder stehenden Gebet auf dem Feld zusammenfinden. Die deutschen Spieler könnten sich daran orientiert haben. "Dass deutsche Spieler sich hier angeschlossen haben, mag zunächst verwundern, dass es aber von den Spielern evangelikaler Prägung aus Curaçao praktiziert wird, weniger."
Allerdings mache es schon einen Unterschied, welcher Religion die betenden Sportler angehören, so der Theologe. "Würden jüdische Sportler ein solches Gebet praktizieren, wäre das durchaus noch toleriert worden"; wenngleich sicher nicht von allen Christen in den USA. Bei Muslimen hingegen wäre nicht mit Wohlwollen zu rechnen, so Weiß.
Obwohl diese Minderheit zuvor durchaus größtenteils im republikanisch-konservativen Milieu angesiedelt gewesen sei, habe der islamistische Terroranschlag vom 11. September 2001 alles verändert, erklärt der Experte. Zuvor "hätte man in den USA wohl auch gegenüber Muslimen nicht unbedingt pauschal negativ reagiert". Heute sehe das aber anders aus. Weiß: "Muslime haben seit 2001 niemals jene Akzeptanz wiedererlangt, die sie schon einmal hatten."
