Trainer promoviert: Umgang mit Druck für Profifußballer wichtig
Die Fußball-WM in Nordamerika versammelt die besten Profifußballer der Welt. Was zeichnet diese Menschen neben ihrem sportlichen Können aus? Ein Trainer hat Fußballer-Persönlichkeiten untersucht.
Vechta (KNA) Der entscheidende Unterschied zwischen erfolgreichen Profifußballern und weniger erfolgreichen ist häufig ihr Umgang mit enormem Druck. Die "Fähigkeit, Druck auszublenden oder mit ihm umgehen zu können, scheint auf absolutem Topniveau einer der wichtigsten Faktoren zu sein", erklärte Björn Bremermann, bislang Co-Trainer des Frauen-Teams von Werder Bremen und jetzt Chef-Coach der dortigen U-19-Mannschaft, im Gespräch mit dem Portal Wissenschaft im Norden.
Für seine Promotionsarbeit an der Universität Vechta ging Bremermann den Fragen nach: Welche Rolle spielt Persönlichkeit tatsächlich für nachhaltige Karrieren im Profifußball? Und was hat die Profikarriere mit ihnen als Menschen gemacht? Dazu sprach er mit Spielern aus den Bundesligen bis rauf zur Nationalmannschaft und Champions League. Um teilweise sehr persönliche Einblicke zu erhalten, hatte Bremermann den Spielern Vertraulichkeit zugesichert.
So verfügten durchaus nicht alle Spieler über ein stabiles Selbstbewusstsein. Andererseits brauche es sehr wohl besonderen Ehrgeiz, um erfolgreich zu sein. Ein Spieler von Bayern München habe ihm berichtet, dort sei das Kabinenleben anders als in anderen Vereinen. Der "unabdingbare Wille, sich zu verbessern und zu gewinnen, war ein anderer als in Mannschaften, die nicht im Topregal sind", so Bremermann.
Für Trainer und Betreuer sei es wichtig, Spieler stärker als individuelle Menschen wahrzunehmen. Zu oft werde im Fußball "noch sehr kollektiv gedacht - große Kabinenansprache, gleiche Ansprache für alle". Die Interviews hätten aber gezeigt, dass Spieler sehr unterschiedlich auf Druck, Kritik oder Motivation reagieren. "Der eine Spieler braucht vielleicht eher Ruhe und Vertrauen, der andere klare Konfrontation oder emotionale Aktivierung."
Gute Trainer könnten dafür ein Gespür entwickeln und unterschiedliche Zugänge zu den einzelnen Spielern finden. Diese Erkenntnis sei auch wichtig in anderen Praxisfeldern. "Als Lehrer an sozial schwachen Schulen habe ich oftmals die Erfahrung gemacht", so Bremermann. Er berichtete, "dass ich einen positiven Einfluss auf Kinder und Jugendliche nehmen konnte, weil ich eine gute und belastbare Beziehung zu ihnen aufbauen konnten."
In seiner Untersuchung habe er nur den Männerfußball berücksichtigen können, da dieser aktuell über vergleichbare strukturelle Rahmenbedingungen verfüge - etwa hinsichtlich medialen Drucks, wirtschaftlicher Dimensionen oder Konkurrenzsituation. Diese seien im Frauenfußball so noch nicht genügend gegeben. Allerdings entwickle sich dieser derzeit rasant in eine ähnliche Richtung.
