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Armutsforscher Butterwegge widerspricht Ex-Jobcenter-Mitarbeiter

30 bis 40 Prozent Trickser? Armutsforscher Christoph Butterwegge blickt skeptisch auf die Einschätzung des früheren Jobcenter-Mitarbeiters Fred Göcken. Er verweist auf Studien.

Armutsforscher Christoph Butterwegge bezweifelt die Einschätzungen des früheren Jobcenter-Mitarbeiters Fred Göcken zu tricksenden Bürgergeldempfängern. "Das passt in die politische Landschaft. Aber es ist fraglich, ob es so stimmt", sagte der Politikwissenschaftler der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Donnerstag. Wissenschaftliche Studien zeichneten ein anderes Bild. Bei Göckens Darstellungen handele es sich hingegen um persönliche Eindrücke.

Göcken, der mittlerweile von seinem Dienstgeber entlassen wurde, hatte in einer ZDF-Doku gesagt, dass 30 bis 40 Prozent der Sozialleistungsempfänger falsche Angaben machten. "Ich frage mich, woher er das weiß", sagte Butterwegge. "Hat er all diese falschen Angaben überprüft?" Empirische Studien zeigten, dass Sozialmissbrauch in Deutschland sehr gering sei.

Die Studien zeigten auch, dass etwa 50 Prozent der Anspruchsberechtigten gar keinen Antrag auf Bürgergeld stellen. "Weil sie nicht wissen, dass es Bürgergeld gibt oder dass es ihnen zustünde. Weil sie sich schämen oder zu stolz sind, staatliche Mittel in Anspruch zu nehmen", erklärte Butterwegge. Das Bürgergeld sei trotz steigender Lebenshaltungskosten zwei Jahre in Folge nicht erhöht worden. Zudem seien unter den Bürgergeldempfängern rund 500.000 Alleinerziehende, meist Mütter.

Der Politikwissenschaftler, der den Linken nahesteht, kritisierte mangelnde Solidarität mit Bedürftigen. "Unsere Gesellschaft wird immer härter", sagte er. Gleichzeitig seien große Vermögen von Topmanagern und Bankern öffentlich kein Thema, obwohl jedes Jahr schätzungsweise 100 Milliarden Euro an Steuern hinterzogen würden, die für Kitas und Pflegekräfte fehlten. "Aber diejenigen, die hilfebedürftig sind und deshalb staatliche Transferleistungen in Anspruch nehmen, werden mit Argusaugen angeguckt." Das passe zur politischen Stimmung und den Sozialreformen der Bundesregierung.