Forscher: Vielfalt im Wald steigt durch Totholz und Lücken
Totholz, Lichtungen und Abwechslung im Wald fördern die Artenvielfalt. Eine Würzburger Studie zeigt: Schon kleine Veränderungen schaffen neue Lebensräume für Vögel und Fledermäuse - und stärken zugleich den Wald.
Würzburg (KNA) Unordnung im Wald kann das Leben von Vögeln und Fledermäusen verbessern und zu deren Vielfalt beitragen: Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Würzburg, wie diese am Donnerstag mitteilte. Denn die Wälder Europas seien lange Zeit für die Holzproduktion optimiert worden. Wichtig sei, Totholz liegen zu lassen und Lücken im Blätterdach zu schaffen.
Vögel und Fledermäuse hätten jedoch etwas unterschiedliche Anforderungen, heißt es: "Vögel verhalten sich wie Heimwerker: Sie besetzen feste Reviere, wenn sie dort alles finden, was sie brauchen - vom Nistplatz bis zum Futter. Sie profitieren davon, wenn ihr angestammtes Waldstück mit Totholz und Lücken möglichst komplex strukturiert ist."
Fledermäuse hingegen seien eher Pendler, die in einer Nacht ganz unterschiedliche Dinge täten: "Mal jagen sie Insekten in einer dunklen, dichten Ecke des Waldes, mal nutzen sie helle Lücken als Einflugschneisen. Für sie ist es wichtig, dass sich die einzelnen Waldabschnitte räumlich voneinander unterscheiden."
Laut Studie kamen bei den entsprechenden Maßnahmen in den Wäldern im Schnitt zwei neue Fledermausarten dazu. "Das klingt wenig, ist aber dennoch viel, weil es in Deutschland insgesamt nur 25 Fledermausarten gibt", sagte Doktorandin Clara Wild, die Erstautorin der Studie. Bei den Vögeln seien vor allem Arten mit sehr eigenen Lebensweisen dazugekommen, zum Beispiel "Totholzspezialisten" wie verschiedene gefährdete Spechtarten.
"Unsere Ergebnisse zeigen, dass wir auch in monotonen artenarmen Wäldern die Artenvielfalt fördern können", so Wild. Kleine Eingriffe in die Strukturvielfalt schufen wertvolle Nischen. "Das macht den Wald vielfältiger und zieht Schädlingsbekämpfer wie Vögel und Fledermäuse gleichermaßen an." Waldökonom Jörg Müller sagte, ein strukturreicher Wald sei durch seine Vielfalt auch widerstandsfähiger gegen den Klimawandel. Er appellierte an Forstbetriebe, Totholz liegen zu lassen, auch wenn das kurzfristig etwas Holzertrag koste.
Für die Untersuchung suchten die Forscher sich sechs Regionen in Deutschland aus: bei Lübeck, im Saarland, im Forst der Universität Würzburg, bei Passau, im Nationalpark Hunsrück-Hochwald und im Nationalpark Bayerischer Wald. Dort untersuchten sie 234 Waldflächen von 50 mal 50 Metern und manipulierten den Wald gezielt für diversere Strukturen. Wie sich die Artenvielfalt änderte, untersuchten sie in den vier bis sieben Jahren danach. Um herauszufinden, welche Tiere in den Waldstücken leben, nutzten sie ein akustisches Monitoring.
