Auma Obama: Deutsche müssen ihr Afrikabild korrigieren
Seltene Edelsteine werden meist in Afrika geschürft. Mit einer Schmucklinie will Auma Obama, Schwester des Ex-Präsidenten, für faire Bezahlung der Arbeiter sorgen - und die Geschichte hinter den Steinen ins Zentrum rücken.
Berlin (KNA) Auma Obama (66), Schwester des ehemaligen amerikanischen Präsidenten Barack Obama, findet nach eigenen Worten das Bild der Deutschen von Afrika korrekturbedürftig. Am meisten störe sie, "das Bild vom armen Afrika und die Vorstellung, dass es in afrikanischen Ländern keine Expertise gibt", sagte die Germanistin der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin. "Es gibt dort genauso wie in Europa oder Amerika tausende gut ausgebildete Menschen mit Fachwissen." Und anders als früher würden die jungen Leute in afrikanischen Ländern ihre Heimat für ein Studium auch nicht mehr so ohne weiteres Richtung Europa verlassen.
Obama äußerte sich in einem Gespräch über die neue Schmucklinie "Auma Obama Fine Jewelry", die nach ihr benannt ist. Am Donnerstagnachmittag werden die Objekte demnach in einer Vernissage in Berlin gezeigt, zusammen mit Fotos von den Minenarbeitern, die sie gefunden haben.
Obama plädierte weiter für einen Handel mit afrikanischen Ländern auf Augenhöhe. "Die Bodenschätze, die die ganze Welt braucht, kommen von diesem Kontinent, von diesen Ländern - seien es Gold, Edelsteine, Diamanten, Kaffee oder Kakao. Trotzdem nennt man uns arm." Das liege daran, dass Afrika kein gerecht bezahlter Teil der Wertschöpfungskette sei. "Es wird ausgebeutet", so die Kenianerin. "Aber obwohl man mit uns Geschäfte macht, will man uns 'retten'." Von dieser Vorstellung müsse Europa sich verabschieden.
Entsprechend anders sei die neue Schmucklinie konzipiert. Die Lieferkette sei vollständig nachvollziehbar. "Die Arbeiter, die die Steine in der Mine in Madagaskar für uns holen, kennen wir mit Namen", sagte Obama. Demnach bekommen sie einen Grundlohn für ihre Arbeit, der nach den Worten Obamas dem vierfachen Mindestlohn in Madagaskar entspricht. Zudem würde jeder gefundene Stein eigens bezahlt. Ziel sei auch, die Geschichte jedes Edelsteins zusammen mit dem Schmuckstück zu überliefern. So wurden etwa die Steine nach den Arbeitern benannt.
Sie wolle nichts romantisieren, betonte sie weiter. Der Ansatz der Schmucklinie sei klar wirtschaftlich gedacht. "Es soll nicht um Entwicklungshilfe gehen, es geht um wirtschaftliche Zusammenarbeit", sagte sie. Die Luxusschmuckstücke - darunter Ohrringe und Ringe - kosten demnach zwischen 2.000 und 7.000 Euro.
Auma Obama wurde in Kenia geboren und ist die ältere Schwester des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama. Sie studierte unter anderem in Heidelberg Germanistik und promovierte in Bayreuth. Später gründete sie die Stiftung Auma Obama Foundation – Sauti Kuu. Diese verfolgt laut Angaben das Ziel, Kindern in Afrika die Möglichkeit zu geben, ihr Leben selbst zu bestimmen.
