Expertin: Die ideale Reise dauert acht Tage - und läuft langsam ab
Sonne, Eiscreme oder Campingkocher, Duft nach Pinien oder Kokosnuss: Urlaub regt die Sinne an. Das kann kreativ machen und sogar therapeutisch wirken. Eine Expertin verrät, welcher Urlaub zu welcher Lebenslage passt.
Weinheim (KNA) Viel hilft beim Reisen nicht unbedingt viel: Laut einer Psychologin erholen Menschen sich in den ersten sieben bis acht Tagen am stärksten. "Deshalb sind mehrere kurze Pausen im Jahr oft besser als ein einziger ausgiebiger Urlaub", sagte Martina Zschocke im Interview der Zeitschrift "Psychologie Heute" (Juli-Ausgabe). Bei großer Erschöpfung seien indes mindestens drei Wochen ratsam - "idealerweise ohne ständige Erreichbarkeit und digitale Ablenkung, um dem Geist echte Ruhe zu gönnen".
Zu viele Eindrücke führten indes oft zu nachlassender Aufmerksamkeit und Reizüberflutung, die eher stresse. "Genau deshalb kann es besser sein, langsamer zu reisen - zum Beispiel mit dem Zug, dem Fahrrad oder zu Fuß", sagte Zschocke. "Das wirkt oft tiefer, ist entspannter und tut nicht nur der Psyche gut, sondern auch der Umwelt."
Reisen könne sogar therapeutisch wirken, etwa in bestimmten Phasen einer Depression: "Menschen in depressiven Phasen drehen sich innerlich oft im Kreis, grübeln über immer dieselben Themen und werden oft im wahrsten Sinne bewegungsunfähig. Eine Reise kann diesen Zustand verbessern, weil man rauskommt, etwas anderes sieht. Man muss sich in einer neuen Umgebung zurechtfinden, was den Fokus verschiebt." Hinzu kämen - je nach Reiseziel - Sonnenlicht, Bewegung und Kontakt mit anderen Menschen.
Grundsätzlich befördere das Reisen selbst die Kreativität, sagte die Autorin des Buchs "Reisepsychologie" weiter. "Viele erleben kreative Einfälle in sogenannten Transiträumen, etwa in Zügen, Cafés oder Hotellobbys." Dies lasse sich schon bei zweiwöchigen Urlaubsreisen beobachten und halte oft länger an als die reine Erholung.
Wenn Menschen ihre Routinen verließen, entstehe ein innerer Spielraum: "Wir sehen unser Leben aus einer anderen Perspektive. Zudem werden unsere Sinne stärker angeregt", so Zschocke. "Diese Kombination bringt Gedanken in Bewegung und eröffnet veränderte Sichtweisen."
