Warum Papst Leo XIV. vor der Sagrada Família zu Häftlingen fährt
Schlaflose Nächte vor dem Papstbesuch: Inhaftierte in Spanien warten auf Leo XIV. Für sie bedeutet seine Visite, nicht vergessen zu sein - und trotz Schuld als Menschen gesehen zu werden.
Barcelona (KNA) Bevor Papst Leo XIV. am Mittwochabend in Barcelona den Jesus-Turm der weltberühmten Sagrada Família einweiht, legt er auf seinem Weg zum Bergkloster Montserrat einen besonderen Zwischenstopp ein: In Sant Esteve Sesrovires, rund 40 Kilometer von der spanischen Mittelmeermetropole entfernt, wird der Pontifex das Gefängnis Brians 1 besuchen.
Haft-Insassin Maite Juanas kann schon seit Tagen kaum noch richtig schlafen. "Ich bin so glücklich und aufgeregt, dass ich dreimal mitten in der Nacht aufwache", gibt sie in einem Interview im Staatsfernsehen zu. Sie gehört zu den 80 ausgewählten Häftlingen, mit denen sich Leo XIV. im Theater des Gefängnisses treffen wird.
Es handelt sich um Teilnehmer - Männer und Frauen - aus dem Gebetskreis des Gefängnisses und der angrenzenden Haftanstalten Brians 2 und Wad-Ras, die sich jedes Wochenende zur Messe in der Gefängnis-Kapelle treffen. "Niemand erinnert sich hier an uns. Dass der Papst ausgerechnet uns besucht, lässt uns fühlen, dass wir nicht ganz vergessen werden, dass auch wir immer noch Menschen sind und Teil dieser Gesellschaft. Dafür werde ich ihm ewig dankbar sein", sagte Juanas.
"Hätte ich nicht meinen Glauben, wäre ich hier schon längst durchgedreht. Der Papst wird mir Kraft geben, auch meine restliche Zeit noch abzusitzen", sagte unterdessen Josefina, eine Friseurin im Frauentrakt des Gefängnisses Brians. Sie ist sichtlich bewegt und "wahnsinnig aufgeregt", weil sie einige Worte an den Papst richten darf.
Knapp eine halbe Stunde dürfte der Besuch dauern. Die Häftlinge haben ein Lied einstudiert, einige werden Grußworte an den Papst richten, bevor dieser zu ihnen sprechen und sie segnen wird. Die Häftlinge des Blumenworkshop waren für die Dekoration zuständig. Die Schüler der Kunstkurse haben unterdessen das Geschenk für den Papst angefertigt - einen 7,6 cm großen Keramikteller.
"Der Besuch der Häftlinge ist eine weitere Geste des Papstes auf seinem Spanienbesuch, uns die Kirche der Barmherzigkeit zu zeigen", betont Xabier Gómez, Bischof des Bistums Sant Feliu de Llobregat, zu dem die Haftanstalt gehört. "Der Papst kommt, um unsere Wunden zu berühren und uns an den Weg zu erinnern, den uns Matthäus 25 vorgibt: "Du warst ein Gefangener, und du bist gekommen, um mich zu sehen", sagte Bischof Xavier Gómez der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Papst Leo XIV. möchte den Menschen, die ihrer Freiheit beraubt sind, seine Verbundenheit ausdrücken, ihnen Trost und Hoffnung schenken, so der Bischof.
