Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe: Eine Million Bäume weg
Höhere Temperaturen, aber immer weniger Bäume: Die Deutsche Umwelthilfe schlägt in ihrem Hitze-Check Alarm. Nur zwei Städte gelten als positive Beispiele.
Berlin (KNA) In deutschen Städten sind zwischen 2018 und 2025 insgesamt fast eine Million Bäume verschwunden, während die Temperaturen weiter steigen. Das geht aus dem Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe hervor. "Die Ergebnisse sind hochgradig alarmierend", sagte Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz bei der Vorstellung am Dienstag in Berlin. "Die Städte verlieren ihren natürlichen Hitzeschutz. Stadtgrün ist nicht nur Deko, sondern eine lebensnotwendige Grundlage."
Dabei sieht die Studie die Städte Offenburg und Mannheim in Baden-Württemberg als Hitze-Hotspots, während Kiel in Schleswig-Holstein und Wuppertal in Nordrhein-Westfalen als alleinige Positivbeispiele anzuführen seien.
Für den Hitze-Check untersuchte die Deutsche Umwelthilfe 195 Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern auf verschiedene Punkte: auf die Anzahl der Bäume in einer Stadt, auf die Frage, wie stark Einwohner von Hitze betroffen sind sowie auf den Zuwachs von versiegelten Flächen, also etwa neue Straßen oder betonierte Plätze.
Insgesamt zeichne sich ein schlechtes Bild ab, so Metz. 149 der 195 Städte bekamen demnach eine Gelbe Karte. Nur sieben Orte konnten einen Baumbestand von mindestens 30 Prozent erreichen. Dieser Wert ist laut Umwelthilfe der wissenschaftlich empfohlene Richtwert für die sogenannte Baumbeschirmung. Unter diesen Orten sind etwa Hamburg und Berlin.
"Die Zahl der Hitzetoten steigt, die Gesundheitsbehörden warnen vor hohen Temperaturen - aber gleichzeitig verschwinden die Bäume", so Metz. "Wir behandeln die Symptome, aber nicht die Ursachen." Stadtbäume könnten die Temperaturen auf Gehwegen um bis zu zwölf Grad senken. "Bäume und Schatten sind Gesundheitsinfrastruktur."
Die Umwelthilfe sieht dabei Bauministerin Verena Hubertz (SPD) und Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) in der Pflicht: "Hitzeschutz beginnt bei Bäumen vor Kitas und Krankenhäusern." Es brauche verbindliche Vorgaben für mehr Stadtgrün bei Sanierungen und Bauprojekten. Dass Städte ihr Grün verlieren, sei das Ergebnis politischer Entscheidungen. "Wenn sich dieser Trend fortsetzt, leben wir in wenigen Jahren in menschenfeindlichen Betonwüsten."
Metz setzte sich für die 3-30-300-Regel ein: Menschen sollten von ihrem Zuhause aus mindestens drei Bäume sehen können, in einem Umfeld mit 30 Prozent Baumbestand leben und die nächste Grünfläche sollte höchstens 300 Meter entfernt sein.
