Knappe Milliarde Euro Wetteinsätze zur Fußball-WM - Oft illegal
Die Fußball-WM der Herren lockt Millionen - nicht nur vor die Bildschirme, sondern auch an die Wettschalter. Legale Anbieter werben mit Sicherheit, doch Kritiker warnen vor Risiken.
Berlin/Stuttgart (KNA) Knapp eine Milliarde Euro allein in Deutschland: Der Deutsche Sportwettenverband, die Interessenvertretung legaler Wettanbieter, rechnet laut Mitteilung mit dem wichtigsten Ereignis des Jahres für die Branche. Allerdings werde "ein erheblicher Teil" dieser Einsätze bei illegalen Anbietern getätigt: etwa 300 bis 400 Millionen Euro, so die Schätzung. Rund 600 bis 700 Millionen könnten demnach auf dem regulären Markt platziert werden.
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder hatte zuletzt vor einem wachsenden Schwarzmarkt gewarnt. Der Branchenverband sieht ein Problem in restriktiven Regelungen. Hierzulande seien verschiedene beliebte Wettarten verboten, kritisierte Präsident Mathias Dahms. "So darf beispielsweise die Live-Wette 'Schießt Spieler X noch ein Tor?' aufgrund der Regulierung nicht angeboten werden". So könnten illegale Anbieter bei Großereignissen von der erhöhten Aufmerksamkeit profitieren.
Forscher hatten unlängst vor massiv zunehmender Werbung für Sportwetten im Fußball gewarnt. Erhebliche Risiken sehen zwei Studien der Universität Stuttgart-Hohenheim insbesondere für die Hauptzielgruppe der jungen Männer. Die Auswirkungen seien gewaltig: Demnach verspielen Wetter in Deutschland jährlich rund zwei Milliarden Euro. Rund 1,3 Millionen Menschen seien wett- oder spielsüchtig - viele im Bereich der Live-Sportwetten.
Die Wissenschaftler fordern Einschränkungen für Glücksspielwerbung rund um Live-Übertragungen, Kennzeichnungspflichten in Social Media, technische Altersbarrieren und verpflichtende Warnhinweise in allen Werbeformaten.
Dahms sieht indes in der WM, die am 11. Juni beginnt, auch eine Chance, "Spieler zurück in den legalen Markt zu holen". Er appellierte, WM-Wetten "ausschließlich bei legalen, staatlich erlaubten Anbietern abzugeben". Nur bei ihnen sei sichergestellt, dass Gewinne zuverlässig ausgezahlt und Spieler bestmöglich geschützt würden. So würden dort etwa KI-gestützte Systeme zur Früherkennung auffälligen Spielverhaltens eingesetzt.
