Sozialpädagogin: Es braucht prominente Fälle für Wandel im Recht
Auch ein harmloses Profilbild auf WhatsApp kann üble Folgen haben: Davor warnt eine Expertin für digitale Gewalt. Zwar erkenne die Politik diese Gefahren inzwischen - Eltern müssten jedoch rascher handeln.
Weinheim (KNA) Aufsehenerregende Fälle wie zuletzt der von Collien Fernandes können laut einer Sozialpädagogin zu einem Wandel beitragen - gesellschaftlich und rechtlich. "Es braucht diese prominenten Fälle, um Druck auf die Politik zu machen", sagte Alena Mess am Donnerstagabend bei einer Veranstaltung der Zeitschrift "Psychologie Heute". Deepfakes und Fake Nudes würden auch beim Cybergrooming genutzt, also bei der Anbahnung von sexualisierten Kontakten durch Erwachsene im Netz.
Mess ist als Sachverständige für das Familiengericht tätig und arbeitet als Referentin im Bereich Kinderpornografie und sexualisierter Gewalt für die Polizei, das Landeskriminalamt und Bundeskriminalamt, sowie an Schulen, in Kitas und in der Kinder- und Jugendhilfe. Im August erscheint ihr Buch "Hate, Druck, Gruppenchat. Wie du dein Kind bei Cybermobbing schützt und stärkst" im Humboldt-Verlag.
Eltern dürften indes nicht auf Schutz durch politische Regelungen oder vonseiten der Plattformen warten, mahnte die Expertin. So seien Fälle mit gefälschten oder verstörenden Bildern seit Jahren bekannt - "und weil jetzt Prominente beteiligt sind, gibt es Aufmerksamkeit". Schon an Grundschulen müsse etwa darüber gesprochen werden, was Fake Nudes - mit KI erstellte Nacktbilder - seien, wo man diese melden und wer helfen könne. "Digitaltraining ist elementar", sagte Mess. Und: "Im Alter von 12, 13 Jahren ist es zu spät."
