70.000 Menschen fordern Recht auf Leben ohne Digitalzwang
Immer mehr Aspekte des Alltags verlagern sich ins Digitale. Wer kein Smartphone besitzt, hat es in Deutschland zunehmend schwer. Eine Organisation will dagegen ankämpfen - und stößt bei der Politik auf offene Ohren.
Berlin (KNA) Die Organisation Digitalcourage hat über 70.000 Unterschriften gegen Digitalzwang gesammelt. In Berlin haben Vertreter die Petition heute an Bundestagsabgeordnete von Regierung und Opposition übergeben. Sie fordern, das Recht auf ein Leben ohne Digitalzwang im Grundgesetz zu verankern.
Digitalisierung betreffe längst alle Bereiche des Alltags, erklärt die Organisation in einer Pressemitteilung. Umso wichtiger sei es, dass demokratische Parteien deutlich machten, dass sie die Sorgen der Menschen ernst nehmen, die durch rein digitale Zugänge ausgeschlossen würden. Als Beispiele nannten die Initiatoren Fahrkarten, die nur per App verfügbar sind, und Arzt- oder Behördentermine, die nur online ausgemacht werden können.
"Mehr als 70.000 Menschen haben gegen Digitalzwang unterschrieben, weil sie sehen, dass der Trend viele Gruppen ausschließt", sagt Rena Tangens, Mitgründerin von Digitalcourage. Das betreffe nicht nur arme, alte und kranke Menschen, sondern auch jene, die auf Datenschutz bedacht seien. "Es darf nicht sein, dass ein Mensch, der kein Smartphone besitzt, eine App nicht installieren möchte oder digitale Dienste nicht nutzen kann, von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen wird", so Tangens weiter.
Die Petition fordert, das Recht auf ein Leben ohne Digitalzwang ins Grundgesetz aufzunehmen. "Niemand darf wegen der Nichtnutzung digitaler Zugangswege benachteiligt werden", ist die Formulierung, die sich die Organisation als Ergänzung für Artikel 3 wünscht.
Entgegengenommen haben die Unterschriften Vertreter von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke. Sie zeigten sich parteiübergreifend offen für das Anliegen der Organisation, betonten aber auch die Möglichkeiten der Digitalisierung. Am Nachmittag soll ein Gespräch mit Thomas Jarzombek (CDU), Staatssekretär im Digitalministerium, stattfinden.
