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KZ-Gedenkstättenleiter: Darum bleibt die Täter-Recherche wichtig

Vor etwa 80 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Von den damaligen NS-Tätern dürfte kaum einer mehr am Leben sein. Ein KZ-Gedenkstättenleiter erklärt, warum die Recherche für die Nachkommen weiter wichtig bleibt.

Auch 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bleibt die Recherche nach mutmaßlichen NS-Tätern aus Sicht eines Gedenkstättenleiters gerade für deren Nachkommen ein wichtiges Unterfangen. "Zu jedem, der verfolgt worden ist, gehört jemand, der für die Verfolgung verantwortlich ist", sagte der Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme in Hamburg, Oliver von Wrochem, am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin.

Menschen in Deutschland, die sich damit beschäftigen, entwickeln im besten Fall ein Geschichtsverständnis dafür, "dass sie diese Vorfahren haben und dass sie eine Verantwortung für die Gesellschaft heute haben", ergänzte von Wrochem.

Das sei gerade in der aktuellen Zeit wichtig, in der die Demokratie nach Worten des Historikers "gefährdet und prekär" ist. Die Beschäftigung mit dieser Vergangenheit könne jedoch zu mehr Erkenntnis für die eigenen Handlungen führen. "Dann ist die Hoffnung, dass die Menschen ein Stück weit resilienter werden gegenüber autoritären Regimen."

Die Gedenkstätte bietet nach eigenen Angaben Seminare für die Täter-Recherche an. Diese besuchten Menschen, die in der Regel zumindest schon einen Verdacht hätten, dass etwa Eltern oder Großeltern in NS-Verbrechen verwickelt gewesen seien oder sogar schon konkreteres Wissen darum hätten. Die Seminare sollen die Beschäftigung damit vertiefen; das könne in manchen Fällen über Jahre gehen, so von Wrochem. "Sie erfahren viele Dinge, die vielleicht auch belastend sind für sie, die ihnen aber auch genauer zeigen, was damals geschehen ist. Das ist dann wiederum manchmal auch eine Erleichterung."