Waldzustand leicht verbessert - Eichen geht es immer schlechter
Fichte und Buche erholen sich etwas, die Eiche bleibt ein Sorgenkind - der Zustand der deutschen Wälder hat sich zuletzt zumindest partiell gebessert. Aber wird er jemals wieder ganz gesund?
Berlin/Eberswalde (KNA) Der Zustand der deutschen Wälder hat sich zuletzt leicht verbessert. Wie schon im Vorjahr, ist zwar nur jeder fünfte Baum gesund, wie aus der am Dienstag vom Bundeslandwirtschaftsministerium vorgestellten Waldzustandserhebung hervorgeht. Positiv sei allerdings eine deutliche Verringerung der Absterberate: von 0,86 auf 0,29 Prozent. Trotz guter Witterungsbedingungen im Jahr 2024 und mäßigen Regenfällen im vergangenen Jahr wirke sich die schwere Dürreperiode zwischen 2018 und 2020 weiterhin auf den Wald aus, hieß es.
Den jährlichen Bericht fertigt das staatliche Thünen-Institut im Auftrag des Ministeriums an. Die Erhebung nimmt die Kronenverlichtung, also den sichtbaren Nadel- oder Blätterverlust in den Baumkronen, als Indikator für den Gesundheitszustand des Waldes. Bei Fichten ist demnach die mittlere Kronenverlichtung um zwei Prozentpunkte auf 25,2 Prozent gesunken. Bei Buchen liegt sie bei 25,6 Prozent und damit um fast drei Prozent unter dem Vorjahreswert. Grund für die Verbesserung ist nach Ansicht der Forscher vor allem eine geringere Fruchtbildung.
Bei den Kiefern zeige sich hingegen eine gegenteilige Entwicklung: Hier wiesen im Vorjahr noch 22,5 Prozent lichte Kronen auf, nun sind es 24,2 Prozent. Noch dramatischer ist die Situation der Eiche: Beim deutschen Nationalbaum sank die Zahl der gesunden Exemplare auf nurmehr 13 Prozent (2024: 16 Prozent). Weiterhin weisen über die Hälfte der Eichen in Deutschland eine deutliche Kronenverlichtung auf. Damit ist die Lebenskraft der Bäume bereits erheblich eingeschränkt.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) rief zum Schutz des Waldes auf. Zentral sei dafür eine nachhaltige Nutzung. "Der Umbau hin zu produktiven und artenreichen Mischwäldern, die Klimaveränderungen trotzen, und die nachhaltige, aktive Waldbewirtschaftung sichern die Zukunft unserer Wälder." Dafür kündigte der Minister Bürokratieabbau und gezielte Förderungen an.
Derweil schwingen bei den Forschern noch weitere ernste Befürchtungen über die Zukunft des Waldes mit. "Trotz der vergleichsweise günstigen Witterung mit mehr Regen vor allem im Juli 2025 ist der Zustand der Bäume immer noch schlechter als in den Jahren vor der großen Dürre 2018 bis 2020", erklärte die Forstökologin Nicole Wellbrock, leitende Autorin der Waldzustandserhebung. Das deute auf einen langfristig negativen Trend des Waldzustandes im Klimawandel hin.
Für die neue Ausgabe der Erhebung wurde den Angaben zufolge ein neues Verfahren angewendet. Erstmals seit 1984 basiere der Bericht auf der Beobachtung von 46.531 Bäumen in einem Raster von acht Quadratkilometern. Damit seien etwa viermal so viele Bäume ausgewertet worden wie in den Vorjahren. Dadurch werde die statistische Aussagekraft des Berichts weiter erhöht, erklärte Wellbrock. Erfasst wurden insgesamt 38 Baumarten. Rund 76 Prozent davon gehörten zu den vier Hauptbaumarten Fichte, Kiefer, Buche und Eiche.
