Trotz islamistischem Terror - Pakistan setzt Polio-Impfungen fort
Impfskepsis und Sicherheitsprobleme behindern im mehrheitlich islamischen Pakistan Impfkampagnen gegen Polio. Pakistan und das benachbarte Afghanistan sind weltweit die einzigen Länder, in denen Polio noch endemisch ist.
Islamabad (KNA) Einen Tag nach zwei tödlichen Terroranschlägen auf Polio-Impfteams in Pakistan hat die Provinz Sindh am Dienstag dennoch eine entsprechende Impfkampagne für 5,8 Millionen Kindern unter fünf Jahren gestartet. Die 17.000 Mitglieder der Impfteams würden von 15.000 Sicherheitskräften geschützt, berichtete das pakistanische Nachrichtenportal Dawn.
Die Mitarbeitenden verabreichen Auffrischungsimpfungen gegen die landläufig als Kinderlähmung bekannte Erkrankung in Schulen, Krankenhäusern, Gemeindezentren und abgelegenen Gebieten, damit jedes impfberechtigte Kind geschützt sei, sagte ein Sprecher der Behörde EOC zur Ausrottung von Polio in Pakistan. Ein besonderes Augenmerk liegt demnach auf Straßenkindern und unterversorgten Bevölkerungsgruppen. Pakistan und das benachbarte Afghanistan sind weltweit die einzigen Länder, in denen Polio noch endemisch ist.
Bei den kurz aufeinander folgenden Anschlägen auf Impfteams im Bezirk Bajaur in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa kamen am Montag zwei Polizisten ums Leben. Bisher hat sich laut Dawn noch niemand zu den Anschlägen bekannt.
Anschläge islamistischer Terrorgruppen auf Polio-Impfteams kommen seit Jahren in Pakistan immer wieder vor. Im Dezember vergangenen Jahres kamen ebenfalls in Bajaur zwei Menschen, darunter ein Polizist, bei einem Angriff auf ein Polio-Impfteam ums Leben. Der erste Anschlag auf ein Polio-Impfteam in diesem Jahr ereignete sich im Februar in Belutschistan, wo ein Polizist durch das Feuer bewaffneter Terroristen getötet wurde. Im April wurden im Distrikt Hangu in Khyber Pakhtunkhwa bei einem Anschlag ebenfalls ein Polizist getötet und vier weitere verletzt.
Offiziellen Daten zufolge wurden seit 2012 in Khyber Pakhtunkhwa insgesamt 96 Menschen von mutmaßlichen Terroristen getötet, darunter 61 Polizisten, 27 Gesundheitshelfer und fünf Zivilisten. Weitere 124 Polizisten, 28 Gesundheitshelfer und 21 Zivilisten wurden bei Angriffen auf Polio-Teams verletzt.
