Deutschlands Väter spielen gern und sitzen seltener beim kranken Kind
Kinderbetreuung hat viele Gesichter. Väter bringen sich besonders häufig dann ein, wenn der Umgang mit den Kleinen zeitlich flexibel ist. Anziehen, kochen, am Krankenbett sitzen? Eher mal Fehlanzeige.
Wiesbaden (KNA) Bei den Familien in Deutschland übernehmen Väter vor allem die eher angenehmen Aufgaben wie das Zu-Bett-Bringen und Spielen. Versorgungs-Tätigkeiten, die sich schlechter planen lassen und stressiger sind, bleiben eher an den Müttern hängen: etwa das Anziehen, die Essenszubereitung oder das Betreuen kranker Kinder.
Das geht aus einer Umfrage unter 5.500 Vätern in neun europäischen Ländern aus den Jahren 2020 bis 2024 hervor. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden hat die deutschen Zahlen im Europa-Vergleich aufbereitet. Demnach gaben 64 Prozent der Väter an, mit dem Nachwuchs mindestens genauso oft zu spielen wie die Mutter. 69 Prozent sahen den Aufwand gleich verteilt, wenn es darum ging, ein Kind ins Bett zu bringen. 65 Prozent gaben an, genauso häufig wie die Mutter die Freizeitaktivitäten in der Familie zu organisieren.
Ganz anders sah es bei den versorgenden Tätigkeiten aus. 42 Prozent der Väter berichteten, kranke Kinder mindestens ebenso häufig zu betreuen wie ihre Partnerinnen. Zum Vergleich: Beim Spitzenreiter Norwegen liegt dieser Anteil bei 80 Prozent. Das Anziehen der Kinder übernehmen nach eigener Auskunft 34 Prozent der Männer genauso häufig wie die Frauen, 45 Prozent bereiten das Essen genauso häufig zu.
"Versorgende Tätigkeiten sind häufig stärker an feste Zeiten gebunden und lassen sich schwerer mit Erwerbsarbeit vereinbaren", erklärte Studien-Mitautorin Stefanie Hoherz: "Interaktive und freizeitbezogene Tätigkeiten bieten dagegen größere zeitliche Flexibilität und können häufiger außerhalb von klassischen Kernarbeitszeiten übernommen werden – etwa nach Feierabend oder am Wochenende." Die Ergebnisse verdeutlichten, dass Kinderbetreuung nicht als einheitliche Tätigkeit verstanden werden könne, folgerte Hoherz.
