Jerusalem vor Jerusalem-Tag und Nakba-Tag - Gewalt befürchtet
Jerusalem rüstet sich für den 15. Mai. Palästinenser erinnern an die Vertreibung, Israelis feiern die Einnahme Ostjerusalems im Sechstagekrieg 1967. Die Polizei befürchtet Ausschreitungen.
Jerusalem (KNA) Konzerte, Partys, Umzüge, Gedenkveranstaltungen - und regelmäßige Ausschreitungen: Kaum ein Feiertag ist in Israel so kontrovers wie der Jerusalem-Tag mit Zehntausenden Teilnehmern am 15. Mai. Auch in diesem Jahr befürchtet die Polizei in der Stadt Gewaltausbrüche und kündigte den Einsatz von Tausenden Beamten sowie weitreichende Straßensperren an.
Am 15. Mai feiern viele Israelis die Annexion Ostjerusalems im Sechstagekrieg 1967, während Palästinenser mit dem Nakba-Tag an Flucht und Vertreibung infolge des israelischen Unabhängigkeitskrieges 1948/49 erinnern.
Die Hauptveranstaltung des Jerusalem-Tags, ein umstrittener Umzug, wurde nach Angaben der Stadt auf den Vorabend vorgezogen, um einen Konflikt mit dem am Freitagabend beginnenden jüdischen Ruhetag Schabbat zu vermeiden. Bei dem von rechtsgerichteten jüdischen Gruppen organisierten Marsch durch die Altstadt zur Klagemauer kam es in der Vergangenheit immer wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen.
Zum oft von nationalistischen Tönen geprägten Jerusalem-Tag organisieren verschiedene Gruppen seit Jahren Gegenveranstaltungen. Die Organisation Tag Meir (Schild des Lichts), die sich für ein friedliches Zusammenleben von Arabern und Juden einsetzt, verteilt etwa Blumen und Friedensgrüße. Zudem ist ein alternativer "Marsch der Jerusalemerinnen und Jerusalemer" geplant. Er soll schon am Mittwoch stattfinden und für Vielfalt und Frieden werben.
Die Al-Quds International Foundation mit Sitz im Libanon, die Verbindungen zur palästinensischen Hamas hat, rief unterdessen die Muslime aus der Region auf, am Jerusalem-Tag die Al-Aksa-Moschee und den Felsendom zu besuchen und dem nationalistischen Umzug entgegenzutreten. Die Stadt müsse durch eine starke palästinensische Präsenz verteidigt werden, so der Appell. Muslime aus dem gesamten Westjordanland sollten sich auf den Weg machen, an den Checkpoints beten und sich zur Verteidigung bereitmachen.
Etliche Mitglieder der israelischen Regierung riefen derweil die Polizei auf, den Tempelberg (arabisch Haram al-Scharif) am Jerusalem-Tag für Juden zu öffnen. Die für Juden und Muslime heilige Stätte ist freitags regulär nur für Muslime geöffnet.
