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Expertin: Kirche interessierte sich immer schnell für neue Kunst

"Die Kirche in Europa hat tatsächlich immer sehr schnell neueste künstlerische Tendenzen aufgenommen", sagt eine Kunsthistorikerin. Sie erklärt, wohin die Reise künftig geht - zum Beispiel in der Architektur.

Neue künstlerische Entwicklungen sind nach Worten der Kunsthistorikerin Ilaria Hoppe stets auch auf Interesse der Kirche gestoßen. "Die Kirche in Europa hat tatsächlich immer sehr schnell neueste künstlerische Tendenzen aufgenommen, das wird oft übersehen", sagte die Professorin an der Katholischen Privat-Universität Linz in einem Interview des Internetportals katholisch.de.

Moderne Architektur zum Beispiel sei im Kirchbau fast unmittelbar präsent gewesen, und das habe nichts mit Säkularisierung zu tun. "Oft sind es eher die Mitglieder der Gemeinden, die sich mit zeitgenössischer Kunst nicht so schnell anfreunden können", so Hoppe.

"Allerdings kennen wir dieses Phänomen auch schon aus der Renaissance, wo eine Gemeinde durchgesetzt hat, einen monochromen Altar von Tilmann Riemenschneider farbig zu fassen, weil ihnen die Figuren nicht realistisch genug waren." Was am Ende gestaltet werde, hänge immer von den jeweiligen Auftraggebern vor Ort ab.

Hoppe sagte, sie hoffe, dass man von Bilderstürmen verschont bleibe - "denn ein Bild anzugreifen ist für mich wie ein Buch zu verbrennen". Dies seien nur weitere Schritte einer Eskalation, die vielen Menschen derzeit Angst mache. Es gebe viele Gemeinden, die sich stark im Bereich der Kunst engagierten, um den Kirchenraum attraktiver zu machen und vielleicht auch ein neues Publikum anzusprechen. "Dabei sehe ich eine Bewegung zur Reduktion."

Als Beispiel nannte Hoppe die Berliner Hedwigs-Kathedrale, "in deren Hauptraum in jeder Nische nur jeweils eine Skulptur zu sehen und Weiß die vorherrschende Farbe ist". Langfristig werde die katholische Welt nicht ohne Bilder auskommen. "Sie werden nur anders inszeniert: Wenn heute ein katholischer Kirchenraum geplant wird, stehen da vielleicht weniger Figuren drin, diese sind dann aber sehr effektvoll mit Postamenten und Leuchten inszeniert, fast wie in einer Galerie."