Debatte um Kerosinmangel: Experte fordert Umdenken bei Reisen
Mehrere Flüge pro Jahr müssen nicht sein, sagt Tourismusforscher Markus Pillmayer. Die Debatte um einen eventuellen Kerosinmangel zeige, dass Umdenken angebracht sei.
München (KNA) Die Diskussion um einen möglicherweise drohenden Kerosinmangel zeigt nach Ansicht des Münchner Reiseforschers Markus Pillmayer, dass die Gesellschaft ihr Reiseverhalten überdenken muss. Flugreisen seien keine Selbstverständlichkeit, sagte der Experte für nachhaltigen Tourismus der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Mit ihrem aktuellen Verhalten verknappe die Gesellschaft ein derzeit knappes Gut unter Umständen noch weiter.
Erwartungen an komfortables Reisen müssten im Falle eines Mangels zurückstehen, damit ausreichend Kerosin für die kritische Infrastruktur da sei, so der Experte weiter. Dazu gehörten etwa Löschflugzeuge. Selbst wenn in Deutschland genug Flugbenzin vorhanden sei, müsse das in anderen Ländern nicht der Fall sein. Unter Umständen könnten Urlauber in der Folge in anderen Ländern stranden.
Pillmayer forderte die Politik auf, sich "endlich klar und mit Nachdruck" zur Bahn zu bekennen. Gerade im ländlichen Raum seien Strecken in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten politisch gewollt zurückgebaut worden. Infrastruktur, Personal und Kapazitäten der Bahn seien nicht ausreichend. Es könne bei Reisen aber nur dann einen echten Wandel geben, wenn Alternativen alltagstauglich und attraktiver würden.
Zudem brauche es ein neues Bewusstsein dafür, dass Flugreisen etwas Besonderes seien. Eine vermeintlich "gute alte Zeit", in der jeder ständig fliegen könne und auch der Sprit an der Tankstelle dauerhaft deutlich unter zwei Euro liege, werde nicht mehr wiederkommen, mahnte der Experte: "Was muss denn noch passieren, dass endlich mal ein Umdenken oder ein Umsteuern stattfindet?"
Die Menschen müssten ihr Reiseverhalten dementsprechend anpassen, auch unabhängig von der Diskussion über Kerosinmangel: Es gehe nicht darum, dass niemand mehr reisen dürfe. Dies müsse aber bewusst und reflektiert geschehen. Pillmayer verwies darauf, dass viele Deutsche während der Pandemie das eigene Land als Reiseziel wiederentdeckt hätten. Das sei aber inzwischen wieder in Vergessenheit geraten.
Hintergrund der Diskussion sind die Auswirkungen des Iran-Kriegs und die Blockade der Straße von Hormus, wodurch ein großer Teil der Kerosin-Lieferungen aus dem Nahen Osten ausbleibt. Der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt sagte dem ZDF, er rechne damit, dass der Treibstoff in Europa in wenigen Wochen knapp werden könne und dass in dieser Zeit nicht alle Flieger wie geplant abheben könnten. Laut Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bestehen bisher keine Versorgungsengpässe.
