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Theologe: Wal Timmy zeigt menschliche Überforderung

Große Gefühle für Timmy den Wal: Der Theologe Mathias Wirth erklärt, warum der gestrandete Wal die Menschen so bewegt - angesichts von so viel unbeachtetem Alltagstierleid.

Das große Interesse der Menschen an Buckelwal Timmy ist laut dem evangelisch-reformierten Ethiker und Theologen Mathias Wirth ein Zeichen menschlicher Überforderung: "Alle Wesen sind bedeutsam, auch ein Schlachthuhn oder eine Fliege", sagte er dem schweizerischen kirchlichen Portal "reformiert." Doch weil es so herausfordernd sei, diese Haltung tatsächlich zu leben, "liegen uns eben demonstrative Handlungen nahe, wie die Rettungsversuche von Timmy", sagte er. Auch diese würden helfen, das Gute in der Schöpfung zu sehen und zu zeigen, dass Leben zu achten und zu schützen ist.

Weil das Geschehen um den in der Ostsee gestrandeten Timmy so außerordentlich sei, lasse es sich trotz aller Komplexität gefühlt besser bearbeiten als das alltägliche Leid von Tieren, "das wir zwar als ethisch problematisch einschätzen, es aber oft nicht gegen den Widerstand der Gewöhnung angehen", so Wirth.

Der gut zwölf Meter lange Buckelwal zeigt laut dem in Bern lehrenden deutschen Theologen und Publizisten, dass der Unterschied vom Menschen zum Tier kleiner werde: "Es wird plötzlich zu einer Art Mitgeschöpf auf Augenhöhe durch sein Leid." Das zeige, dass es Menschen nicht egal ist, wie es dem Leben um sie herum ergeht.

Wirth fasst zusammen: "Angesichts der Ohnmacht gegenüber anderen großen Problemen in der aktuellen Weltlage, die nicht so einfach lösbar scheinen, kann es der Moral und Weltsicht etwas aufhelfen, sich in der Walgeschichte den guten Seiten des Menschen mitsamt der Möglichkeit zur Hilfe ohne jeden Eigennutz zuzuwenden."

Retten oder sterben lassen? Laut Wirth ist nicht immer eindeutig, was richtig ist: "Moral kann eben nicht einfach aus einem Lehrbuch oder Kodex hergeleitet werden." Welcher Weg der richtige sei, müsse von Fachleuten in der jeweiligen Situation entschieden werden.