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"Greenwashing" mit Grauzonen - Forscher bewerten neue Umweltstudie

Eine neue Studie in den USA sieht in fast allen Umweltversprechen der Fleisch- und Milchindustrie "Greenwashing". Unabhängige Forscher finden die Ergebnisse nachvollziehbar - warnen jedoch vor Grauzonen.

Forscher aus den USA werfen der Fleisch- und Milchindustrie Irreführung bei Klimaversprechen vor. Dabei handle es sich bei 98 Prozent der Behauptungen um eine Form von "Greenwashing", heißt es in einer am Mittwoch (Ortszeit) im Fachjournal "Plos Climate" veröffentlichten Studie. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland halten dieses Ergebnis für stichhaltig, mahnen jedoch eine klarere Definition des "Greenwashing"-Begriffs an.

Für die Studie untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Angaben zufolge 1.233 Versprechen der weltweit 33 größten Unternehmen der Branchen. Insgesamt wiesen 1.213 davon mindestens ein Anzeichen von "Greenwashing" auf, erklären die Autoren.

So beschränke sich das Versprechen für Netto-Null-Emissionen häufig auf den Ausgleich von CO2-Emissionen durch sogenannte Klimakompensationen, also die finanzielle Unterstützung von Klimaschutzprojekten. Die Wirksamkeit dieser Praxis für den Klimaschutz wird von Umwelt- und Verbraucherschützern allerdings kritisch gesehen. Zudem könne eine Festlegung auf ein Zieljahr kaum belegt werden.

Die Autoren weisen darauf hin, dass aus der Landwirtschaft mindestens 16,5 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen stammten. Dabei stechen besonders die ressourcenreiche Fleisch- und Milchwirtschaft hervor. "Nachhaltigkeitsberichte stärken die öffentliche Wahrnehmung und können das Image eines Unternehmens verbessern, wodurch es für Investoren attraktiver wird", heißt es in der Studie. Im Fleisch- und Milchsektor sei das deswegen problematisch, da Unternehmen, die "Greenwashing" betrieben, weiterhin Akzeptanz und Geld erhielten, obwohl der Sektor im Vergleich zur restlichen Lebensmittelproduktion besonders umweltschädlich sei.

Forscherinnen und Forscher aus Deutschland halten die Ergebnisse der Studie auf den ersten Blick für stichhaltig. Die Osnabrücker Sozioökonomin Melanie Speck sieht darin Ergebnisse früherer Studien bestätigt. Deutlich werde etwa das Problem hervorgehoben, dass es keine rechtliche Festlegung für die Nachhaltigkeitsberichterstattung der Unternehmen gebe.

"Es ist gesetzlich im Detail nichts vorgegeben, sondern es geht vor allem darum, dass Unternehmen ihre eigenen Ziele deklarieren. Dies wird in der Regel von der Kommunikationsabteilung gesteuert, und das verwässert dann auch durchaus zum Teil Aussagen, weil man sich auch nicht angreifbar machen will", sagte sie dem Science Media Center in Köln. Auch finde kein systematisches Monitoring statt.

Kritik jedoch äußern die Wissenschaftler unter anderem an dem für die Studie gewählten "Greenwashing"-Begriff. Die dafür genutzte Definition sei in der Forschung kaum etabliert und fasse den Begriff viel weiter, erklärt der Lüneburger Nachhaltigkeitsökonom Jacob Hörisch. Dabei gebe es deutliche Grauzonen in der Definition. "Kurzum: Ich schätze das reale Ausmaß von Greenwashing als deutlich geringer ein als die von den Autor*innen genannten Zahlen."

Nachholbedarf besteht aus Sicht der Forschenden bei der Information von Verbrauchern. Für diese seien Nachhaltigkeitsversprechen der Unternehmen in der Regel nicht nachvollziehbar. So stünden gut zertifizierte Lebensmittel im Supermarkt oft neben intransparent etikettierten Produkten, erklärte der Ökologe Florian Antony.

Besonders problematisch sei es, wenn es sich dabei um dem Anschein nach vertrauenserweckende Siegel handle. "Dann lassen sie sich für Laien kaum von unabhängig zertifizierten Umweltkennzeichen unterscheiden." Bis es dazu eine einheitliche gesetzliche Regelung gibt, bleiben aus Sicht des Forschers deswegen unabhängige Bewertungssysteme sowie die Mitwirkung der Konsumentinnen und Konsumenten wichtig.