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PreTouch-Methode: Mamas sanftes Streicheln beruhigt Frühgeborene

Durch Streicheln der Mutter verlangsamt sich bei Neugeborenen der Herzschlag: Das Baby beruhigt sich. Dass das auch bei Frühgeborenen so ist und gegen gesundheitliche Komplikationen hilft, zeigt eine Studie.

Sanftes Rückenstreicheln von Mama: Das kann bei Frühgeborenen gegen gesundheitliche Komplikationen helfen. Es könne "eindeutig empfohlen werden, dass Frühgeborene sanft gestreichelt werden, um ihre autonome Regulationsfähigkeit zu begünstigen", sagt Ilona Croy, Professorin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Frühgeborenen gelingt es demnach nicht so gut wie reifen Babys, ihren Herzschlag zu regulieren. Das wiederum kann Komplikationen wie instabilen Blutfluss im Gehirn und Atemnot nach sich ziehen.

In der vom Bundesforschungsministerium geförderten Studie PreTouch hatten Croy und ihr Team zusammen mit Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Dresden dazu geforscht, ob sanfte Berührungen die autonome Regulation bei Frühgeborenen unterstützen können. Die Ergebnisse wurden zuerst in der Zeitschrift "Physiology and Behaviour" veröffentlicht. Croy äußerte sich jetzt im Newsletter des Ministeriums zur Gesundheitsforschung.

"Wir wollten wissen, ob sanftes Streicheln am Rücken dazu führt, dass die Herzrate bei Frühgeborenen sinkt - ähnlich wie bei reifen Babys - und ob der Effekt je nach Reifegrad des Kindes unterschiedlich ist", so die Wissenschaftlerin.

In zwei spezialisierten Kliniken in Dresden und Jena wurden hierfür 32 frühgeborene Babys beobachtet, während sie von ihren Müttern am Rücken gestreichelt wurden. Die Kinder waren zwischen der 24. und 36. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen und somit unterschiedlich reif in ihrer Entwicklung.

Die Forschenden beobachteten dabei, dass Mütter ihre Frühgeborenen ganz intuitiv genau so streicheln, dass C-taktile Nervenfasern aktiviert werden: sanft, ruhig und mit der richtigen Geschwindigkeit.

Dieses sanfte Streicheln führte bei rund einem Drittel der Frühchen zu regulatorischen Effekten, ähnlich wie bei reifen Neugeborenen: Die Herzrate der Babys beruhigte sich. Bei etwa der Hälfte der in der Studie beobachteten Frühchen zeigte das Streicheln keine Auswirkungen auf die Herzrate; bei einigen Babys stieg die Geschwindigkeit des Herzschlags sogar an, das heißt, der Stress durch die Berührung überwog.

Dabei hing der Einfluss der Berührung auf die Herzrate von der Reife der Frühgeborenen ab: Vor allem reifere Babys zeigten durch das Streicheln Entspannung, gemessen an der verringerten Herzrate. Die Ergebnisse bedeuteten nicht, dass Streicheln eine Gefahr für sehr unreife Frühchen darstellt, so Croy. Bei ihnen sollte währenddessen aber besonders auf die Herzrate geachtet werden.

Derzeit wird demnach ausgewertet, ob es einen Unterschied macht, ob die Kinder von ihren Müttern oder von trainierten Wissenschaftlerinnen gestreichelt werden.

Etwa sechs Prozent aller Schwangerschaften in Deutschland enden vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche, die Neugeborenen gelten somit als Frühgeborene.