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Meldung

Psychologe zur Hipp-Erpressung: Babynahrung emotionalisiert

Rattengift im Babybrei - für Eltern eine Horrorvorstellung. Unbekannte versuchen auf diese Weise gerade, den bayerischen Babynahrungshersteller Hipp zu erpressen. Ein Psychologe ordnet den Fall ein.

Gift in Babynahrung ist gewissermaßen ein Klassiker bei der Lebensmittelerpressung - das sagt der Kriminalpsychologe Jan-Gerrit Keil vom Landeskriminalamt Brandenburg in Eberswalde. Mit Blick auf die aktuelle Erpressung der Firma Hipp aus dem oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm erklärte Keil auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): "Dies ist nicht der erste Fall von vergifteter Babynahrung, solche Delikte haben eine gewisse 'Tradition' quasi als der Prototyp im Bereich Lebensmittelerpressung."

Zum Hintergrund erläuterte der Oberpsychologierat: "Babynahrung emotionalisiert, weil man damit gut die Sorgen und Ängste von Eltern triggern kann, da sich um die Jüngsten und den Nachwuchs aus evolutionären Gründen heraus in einer Gesellschaft natürlich immer besonders gesorgt wird. Aber auch Tiere wären dankbare Opfer, die gut emotionalisieren."

Ohne genaue Kenntnis des Falls könne er kein Täterprofil erstellen, fügte Keil hinzu. "Aber bei Erpressung geht es in der Regel um ein finanzielles Motiv, also um jemanden, der Geld braucht oder haben will, und keine andere legale Art und Weise für sich sieht, in kurzer Zeit an so viel Geld zu gelangen." Zugleich könne es auch sekundäre Motive wie Machtgewinn und Rache geben.

Rattengift wie im Hipp-Fall sei legal leicht zugänglich, ergänzte der Psychologe. Der Täter vergifte einzelne Proben, um seiner Erpressung ein reales Drohpotenzial hinzuzufügen.

Danach gefragt, wie sich Verbraucher vor manipulierten Waren schützen könnten, sagte Keil: Man müsse darauf achten, dass die Originalverpackung unangetastet sei, dass also etwa Siegelbänder intakt seien und Gläschen beim Öffnen ein Ploppgeräusch machten. "Wenn man ganz sicher sein will, kann man die Sachen im Internet oder in einer Apotheke kaufen, wo sie nicht frei herumstehen, und der Täter somit keinen Zugriff auf die Lieferkette hat."

Der Babynahrungsmittelhersteller Hipp wird nach eigenen Angaben von unbekannter Seite erpresst. Eine entsprechende E-Mail wurde laut Polizei am 16. April bekannt. Bei den Ermittlungen habe man in Österreich, Tschechien und der Slowakei fünf mit Rattengift versetzte Babynahrungsgläser entdeckt. "Die Gläser wurden vor Verzehr sichergestellt", so die Polizei. "Ein manipuliertes Glas könnte in Österreich mutmaßlich noch im Umlauf sein." Deutschland ist Hipp zufolge nicht betroffen.