Papst wünscht sich politische Veränderungen in Afrika
Vorletzter Tag der langen Reise des Papstes durch vier afrikanische Länder. Im katholischen Äquatorialguinea absolviert Leo XIV. besonders viele Termine. Seine Aussagen reichen über das kleine Land hinaus.
Mongomo (KNA) Am vorletzten Tag seiner Afrika-Reise hat Papst Leo XIV. die Christen in Äquatorialguinea zu aktivem Einsatz für politische und soziale Veränderungen aufgerufen. Auch äußerte er sich positiv über die Arbeit der christlichen Missionare in früheren Jahrhunderten.
Bei einem Gottesdienst am Mittwoch in der Basilika von Mongomo im äußersten Osten des Landes sagte Leo XIV., er danke Gott für 170 Jahre Evangelisierung. Er erinnerte an die Missionare und Missionarinnen, Diözesanpriester, Katecheten und Laien, die ihr Leben in den Dienst der christlichen Botschaft gestellt hätten. Sie hätten "die Erwartungen, Fragen und Wunden eures Volkes erfasst, sie mit dem Wort des Herrn erhellt und sind so zu einem Zeichen der Liebe Gottes in eurer Mitte geworden". Diese Geschichte sollten heutige Christen nicht vergessen.
Heute seien sie aufgerufen, den Weg der Missionare fortzusetzen und aktiv an der Entwicklung des Landes mitzuwirken, so der Papst. Es gebe einen "Hunger nach Zukunft, die von Hoffnung erfüllt ist, die eine neue Gerechtigkeit hervorbringen kann, die Früchte von Frieden und Geschwisterlichkeit tragen kann".
Den Menschen in dem seit Jahrzehnten diktatorisch regierten Land rief der Papst zu: "Die Zukunft Äquatorialguineas gestaltet ihr mit euren Entscheidungen mit. Sie ist eurem Verantwortungsgefühl und eurem gemeinsamen Einsatz für den Schutz des Lebens und der Würde jedes Menschen anvertraut."
Sie sollten sich dafür einsetzen, das die Bodenschätze und natürlichen Reichtümer des Landes allen zugute kommen. "Der Herr helfe euch, dass ihr immer mehr zu einer Gesellschaft werdet, welche die Ungleichheit zwischen Privilegierten und Benachteiligten überwindet, indem jeder sich gemäß der ihm übertragenen Verantwortung für das Gemeinwohl einsetzt und nicht für Einzelinteressen. Mögen Räume der Freiheit wachsen, möge die Würde des Menschen stets gewahrt bleiben!"
Das einzige spanischsprachige Land Afrikas wurde im 19. Jahrhundert vor allem durch Missionare des aus Katalonien stammenden Claretiner-Ordens missioniert. Unter der besonders grausamen Diktatur von Francisco Macías Nguema (1968-1979) war die katholische Kirche zeitweise verboten; viele Missionare mussten das Land verlassen. Heute zählt der zentralafrikanische Staat mit rund 80 Prozent Katholiken zu den katholischsten Ländern des Kontinents.
Den Gottesdienst in Afrikas zweitgrößter Kirche verfolgten rund 100.000 Menschen in- und außerhalb des Gotteshauses. Sie feierten mit Tänzen, Gesängen und lautstarken Beifallsbekundungen. Auch der seit 1979 ununterbrochen herrschende Präsident Teodoro Obiang Nguema Mbasogo sowie sein Sohn Teodorin, derzeit Vizepräsident und designierter Nachfolger, nahmen teil.
